Schwanger sein: 40. Woche (7)

*seufz*

immernoch Samstag (39+5):

Gestern Abend gegen 21:30: ordentlich Regelschmerzen-artiges Ziehen im Unterleib. 10-Minuten-Abstände etwa. Versuche, mir nichts darauf einzubilden. Natürlich aber doch wieder Hoffnung. „Oh, ich will-will-will es nicht denken, aber… vielleicht… es könnte doch… vielleicht heute Nacht… und dann morgen… Oh bitte, ihr Kontraktionen… Nun werdet endlich stärker…“ Das Ziehen ist ziemlich stark. Kein Appetit jetzt. Glaube nicht, dass ich das Essen von K. runterkriege. Bin aufgeregt. Versuche, zu unterdrücken. NeinNeinNein! Das heißt nichts. Ich will mich nicht heißt machen. Nicht schon wieder.

Etwa eine Stunde später: Das Ziehen wird deutlich weniger. Dann fast nichts mehr. Was soll ich dazu jetzt noch sagen? Ich finde es einfach nicht gerecht. Echt jetzt. Gegen 23:50 beleidigt ins Bett. Kein Avena Sativa heute. Einschlafen dauert.

Sonntag (39+6):

Nach der frühmorgendlichen Pinkelpause gegen 4 Uhr zum Glück wieder eingepennt. Jetzt 8:30 rum. Aufwachen, pinkeln müssen, harter Bauch, das große Seufzen. Wieder nichts… Immernoch schwanger. P. kommt schlaftrunken ins Bad, auch Pinkeln. Erschreckt sich, dass ich schon da bin. „Meine liebe, liebe Mami“ – hach. Erstmal Kuscheln. Und nochmal alle zusammen ins Bett. Das besänftigt das Muttertier.

Woar… Mein Kreislauf. Das hatte ich schon vor zwei Wochen Mal im Krankenhaus. Niedriger Blutdruck war das da… Ist es das jetzt auch? Schwindel, zittrig, Schweißausbrüche, Hitzewallungen. Was ist das? Trinke ein Glas Wasser auf Ex, ein Glas Saft, Kakao und Kaffee. Keine Verbesserung. Reiße die Fenster auf, lasse kaltes Wasser über die Unterarme laufen. Mir wird schlecht. Das soll weggehen. P. beschäftigt sich damit, ihre Kinderpflaster auf eine gemalte Figur zu kleben. K. wird mit ihr später zu einem Familienfest gehen. Fühle mich total zerstört. Warum?

Seminareinschreibung. Ich habe keine Ahnung, wie ich in drei Wochen in der Uni sitzen soll… Wenn ich das nicht tue, bekomme ich aber kein Bafög. Und das können wir uns nicht leisten. Dilemma.

K. und P. sind weg. Studienleistung schreiben. Hypothesen und Theorien… Theoriebildung… Falsifikation… Hypothesenprüfung… Erstmal wieder reinkommen. Pffft… Kopf schwirrt, Bauch wird hart. Gedanken schweifen… Hypothesen sind… Verdammt, T., warum kommst du nicht da raus? Du bist bestimmt schon voll der Klops… Warum machst du es dir so gemütlich da drin?… SummSumm… What’s App ist ’ne scheiß ablenkende Erfindung… „Nee, nichts Neues.“… Also… Theorien im Rahmen quantitativer Forschung stellen in der Regel… „ssw 40 baby groß keine wehen“… Verdammt, das hast du schon 1000 Mal gegoogelt… Jede Schwangeschaft ist anders… Natürlicher Prozess und so… SummSumm… „Nee, ich kann gerade schlecht planen, Sorry.“… Aua, Bauch hart… Wo war ich? Die induktive Schließlogik ist die übliche Vorgehensweise bei qualitativen Forschungsprojekten und dient zumeist… Ob T. am Ende vielleicht doch eine Punktlandung hinlegt? Na das wär’s ja…

 

Alles andere wäre Wiederholung von bereits vielfach Beklagtem. Ich habe wieder zu viel sinnlos gegoogelt, eine halbe Stunde lang mit Pausen meine BW massiert und vor mich hingestunken. Fühle mich extrem ausgelaugt heute. Gegen Mittag auch nochmal so ein Kreislaufabfall… Sehr unangenehm.

Morgen ist der errechnete Termin, auf den ich mir die ganze Schwangerschaft über nichts einbilden wollte und auch nichts eingebildet habe. Weil ich mir viel zu sicher war, dass T. früher kommen wird. Ich habe keine Erfahrung mit dem hier und hätte echt drauf verzichten können. Ich hasse diesen Zustand und ich glaube, ich werde heulen, sobald ich die Geburt hinter mir habe. Und zwar 5 Tage lang. Vor Erleichterung! Ich will nienienie wieder schwanger sein! Ich fühle mich eingesperrt, festgenagelt, unausgeglichen und scheiße. Ich ertrage dieses Pulverfass nicht, ja weil ich halt scheiße ungeduldig und schon unschwanger ständig super-nervös bin. Weil es mich ankotzt, unbeweglich zu sein und weil es mich ankotzt, dass ich mich auf nichts anderes konzentrieren kann! Das ist bei mir einfach so ein Problem. Wenn was ansteht, dann ist das in meinem Kopf und nur das. Und was anderes kommt da nur ganz schlecht und schwer rein. Das ist bei Prüfungen so, bei Dates, bei Auftritten, manchmal schon bei ganz normalen Treffen… Und erst recht bevor ich entbinde. Diese scheiß Unklarheit. Diese scheiß Ungewissheit. Dieses scheiß Vorgeplänkel. Diese scheiß Stimmungsschwankungen. Dieser scheiß-ätzende körperlich eingeschränkte Zustand. Dieses sich schlapp fühlen. Bääääääh!!!

Ich ertrage das übrigens insbesondere deshalb nicht, weil ich mich so nicht ertrage und weil ich nicht ertrage, wie ich daran scheitere, entspannt-locker-lässig-laid back zu sein oder den Zustand wenigstens so halbwegs mit Würde hinzunehmen.

Ach Mist. Und dabei wollte ich heute nicht jammern.

Schwanger sein: 40. Woche (6)

Samstag (39+5):

4:30. Wache auf dem Sofa auf. Bin vorm Fernseher eingeschlafen. Schon wieder. Es zieht, weil niemand die Fenster zu gemacht hat. Ich versuche, K. zu wecken… Klappt mäßig. Irgendwann dann doch. Er tappert ins Bett. Schläft sofort weiter. Mist. Ich war zu lange wach jetzt, kann nicht mehr schlafen. Schleim. Ist das da Blut? Lässt sich nicht bestätigen. Denk nicht daran. Denk nicht daran. Schlaf Schlaf Schlaf! Es ist egal… Morgen gehen wir alle zusammen in die Stadt, besorgen Schuhe für P. Bewegung ist gut. Neiiiin. Es ist egal! Ich verhalte mich einfach ganz normal. Oder so normal wie möglich. 5:30. Versuche es mit einem Hörspiel. Klappt nicht. 6:00. Zähle von 1 bis 100. Laufe im Kopf durch einen Wald. Irgendwann im Morgengrauen schlafe ich dann ein.

„Du musst mit P. aufstehen. Ich war die halbe Nacht wach!“ Sage ich zu K. Er steht auf, ich bleibe liegen. Kann natürlich nicht mehr pennen. Arrrrrgh. Stärkeres Ziehen in Unterleib und Rücken. Fühlt sich an, wie kurz vor der Menstruation. Schleim. Versuche es einfach nicht zu bewerten. Erzähle es dann aber doch. „Das fühlt sich jetzt schon anders an, zumindest mehr in Richtung letzter Montag… Also mehr als in den letzten Tagen.“ – „Wir gehen. Jetzt einfach. In. Die. Stadt. Wir haben ganz viel Spaß zusammen und wollen durch nichts gestört werden.“ sagt K. grinsend. Er hat die Theorie aufgestellt, dass es genau dann losgehen würde, wenn wir uns andere Dinge vornehmen und so wenig darauf setzen wie möglich. Ich versuche, meinem Körper keine Beachtung zu schenken. Schwierig, denn es zieht echt ganz schön heftig… AberAber… Keine. Hoffnungen. Machen. Ommmmmmmm…

Vormittags in die Stadt. Konsum. Eigentlich nicht gut, aber Ablenkung, die brauch ich. Und Bewegung. Und P. braucht neue Schuhe. Komische Dinge gehen zwischen K und mir ab. Ich bin gereizt, weil ich glaube, dass er gereizt ist. Dabei ist er das angeblich nicht. Gibt sich im Laufe des Tages. Okay dann. Denke über lange Strecken tatsächlich nicht an Bauch und Baby. Aber die „BoooooarWooooooar“-Blicke… Naja… In der Baby-Schlafanzüge-Abteilung fragt mich eine Frau, ob’s denn bald soweit ist. „Termin ist in 2 Tagen“ sage ich. Da werden ihre Augen groß. „Na da sind Sie ja noch sehr entspannt, wenn sie noch einkaufen gehen und so…“ Äääähhhh jaaaaaa… Na klar bin ich entspannt. Wir sind 7 Stunden unterwegs. Treffe Freunde aus der Uni zufällig. Schön. Ich laufe, laufe, laufe und merke es gar nicht. Zunächst jedenfalls. Am Ende dann doch. Plattfüße. Auuutsch. Harter Bauch. „ich weiß gar nicht, wie du das so lange durchgehalten hast.“ sagt K. Ich auch nicht. Aber gut. 7 Stunden mal nicht nur Gewartet.

Zuhause. Die Nierenstelle tut wieder weh. Glaube mittlerweile wieder, dass es eher ein Nerv ist. Habe ein leicht schlechtes Gewissen. War das zu viel? Suhle mich auf dem Sofa. Aaaaaah, Körnerkissen… K. schmeißt den Abend mit P. Ich versuche, mich in der Wanne zu entspannen und die Schmerzen nicht überzubewerten. Trinke Chai. Und Eisenkrauttee. BW-Massieren. Ich kann es nicht lassen. Ich kann. Es einfach. Nicht lassen! Die dunklen Wolken ziehen wieder auf. „39+5… Und es passiert nichts…“ Der Bauch wird hart. Sehr hart. Es zieht im Rücken. „Hör auf! Es ist egal. Es bedeutet nichts. Gar nichts…“

Der wenige Schlaf der letzten Nacht schiebt mir die Augenlider eine Etage tiefer. Will heute kein Avena Sativa zum Schlafen nehmen. Habe Die Befürchtung, dass das den Wehen entgegenwirken könnte.

Auch heute wird mein Baby nicht kommen. Auch morgen werde ich mit einem dicken schweren Bauch aufwachen. Ich werde mich für meine Seminare einschreiben. Die Semesterferien sind ja bald vorbei. Schöne Scheiße, echt. Am Montag werde ich zur Gyn gehen und sehr viel Frust runterschlucken. Das CTG wird vermutlich okay aussehen. Vielleicht sind wieder Wehen drauf. Ich werde nach Hause gehen. Der Bauch wird immer wieder hart werden. Die Schmerzen in der linken Flanke werden kommen und gehen. Schleim. Ständiges Pinkeln. Druck nach unten. Ein Gefühl, als würde ich meine Tage bekommen und der ständige Versuch, sich nicht zu fragen, ob dies oder das oder jenes darauf hindeutet, dass s jetzt doch vielleicht losgeht mit der Geburt.

Und dann die Frage: Wie lange soll ich eigentlich warten bis wir einleiten? Wann ist der Zeitpunkt, an dem man mit mehr als den Hausmitteln nachhelfen sollte oder muss? Wie groß soll oder darf T. werden? Und: Was zur Hölle fehlt denn nur, damit es losgeht??

Wah! Nass in der Hose… Moment…

Hm. Nichts. War ja klar. Ich glaub, ich werde echt noch endgültig bekloppt.

Schwanger sein: 40. Woche (4)

noch immer Mittwoch, 39+2:

Der Tag verlief alles in allem stimmungsschwankend zwischen Ablenkungsversuchen (mal mehr, mal weniger erfolgreich), Resignation (Ich glaub, es wird einfach nicht von allein losgehen…), Selbstberuhigung (Mensch, du hast doch noch Zeit!) und Frustration. Trinke Chai und Himbeerblättertee im Wechsel. Beziehe unser Bett neu, räume unter’m Bett auf, gucke Schrott-TV, gehe heiß baden, … Heule ein bisschen rum, versuche es mit (Galgen-)Humor zu nehmen (wenn mein Kind über 6,5 Kilo wiegt, dann hab ich nach der Geburt wenigstens fast wieder mein Ausgangsgewicht. Ha. Ha. Haaaa…) und mir immer wieder zu sagen:

EINE MENSCHLICHE SCHWANGERSCHAFT DAUERT ZWISCHEN 38 und 42 WOCHEN! ES IST NOCH ALLES VOLLKOMMEN IM RAHMEN. T. GEHT ES GUT. ER KOMMT, WENN ER FERTIG IST.

P. ist in der Wanne und ich hänge auf dem überdimensionalen Sitzkissen daneben rum. T. ist ausnahmsweise sehr aktiv. Wenn er sich bewegt, wird mein Bauch auf einer Seite ganz leer und auf der anderen sieht man eine riesen Beule. Ich weiß immernoch nicht, was das immer ist, was da rausragt. Von der Form her kann es eigentlich nur sein Po sein. Aber es ist so „kantig“… Wuaaaah! So 3 cm über dem geploppten Nabel ist ein kleingliedriges irgendwas… Ich kann die Umrisse ziemlich genau sehen und abtasten… Ein Füßchen? Oder ein Knie? Von dem rund-ovalen Ding kann ich schräg nach unten einen längeren Knochen oder so fühlen… Mein Herz klopft. K. fühlt auch. Ich erinnere mich wieder, worum es geht: MEIN BABY! Es ist total abgefahren, da zu liegen, die Hand auf dem Bauch und auf einer nicht wirklich definierbaren winzigen Baby-Gliedmaße rumzustreicheln… Eigentlich sind da nur wenige Zentimeter – wenige Milimeter! – Haut dazwischen. Und trotzdem ist es noch so ein irre beschwerlicher Weg bis man das Baby dann endlich (endlich, endlich, endlich) so richtig angucken, festhalten, riechen, … kann. Ach ja…

Nachdem P. (endlich) in der Falle ist – ist eine durchschnittliche Zubettgehzeit zwischen 21:00 und 21:30 eigentlich für eine knapp 3-Jährige zu spät? – sammle ich sämtlichen Müll zusammen, jogge die Treppen runter, einmal um den Block. Okaaaay… Joggen ist jetzt ein bisschen übertrieben… Beim Laufen bekomme häufiger einen sehr sehr harten Bauch und ich nicht selten ein tierisches Stechen zwischen den Beinen. Ganz plötzlich. Es durchfährt mich wie ein Blitz und es fühlt sich an… nun ja… als würde jemand mit einem Messer sorgfältig die innere Scheidenwand (in Richtung Symphyse) aufschlitzen. Auuuutsch! Ich muss dann kurz stehen bleiben, mich konzentrieren, um dann langsam und in Trippelschritten weiterzulaufen. Dann ist es aber sofort vorbei… Was ist das nun wieder? Kann sich die Verkürzung des Gebärmutterhalses – am Montag waren ja noch 1,5 cm übrig – oder die Öffnung des Muttermundes so anfühlen? Oder deutet das wieder in Richtung Blasenentzündung? Da spricht der Hypochonder aus mir. Kopf lieber aus jetzt. Hinter mir laufen Leute. Mit Hunden, ohne Hunde, in Bauarbeiterkluft. Ich bin langsamer als alle. Wie man in der 40. Woche wohl so von hinten aussieht? Ich versuche testweise so zu laufen, als hätte ich keinen Medizinball umgeschnallt. Wie ging das gleich? Wie laufe ich unschwanger?

Wie bin ich überhaupt, wenn ich nicht schwanger bin? Was hab ich so gemacht? Ich erinnere mich an einen Morgen (muss so gegen 4 gewesen sein, irgendwann im Frühling), als ich genau hier langgelaufen bin und mich (noch nicht so wirklich nüchtern) über die rosa Schäfchenwolken und den Sonnenaufgang gefreut habe… Als in meinem Kopf kein Wust und in meinem Bauch keine Wassermelone war. Dafür aber die Freude auf’s Bett und die Aussicht, in 2,5 Stunden mit P. aufstehen zu müssen. Das war keine schlechte Zeit. Wahnsinn, dass jetzt einfach Mal so – schuuuuuiii – ein 3/4 Jahr weg ist… Wie lange werde ich dieses Mal brauchen, bis ich wieder zu mir finde? Ich weiß, dass es nach der Schwangerschaft mit P. eine Weile gedauert hat. Da war die ganze Situation aber eine vollkommen andere… Ich musste da ganz neue Lebensinhalte finden, weil der Abschnitt vorher mit dem letzten Konzert schlichtweg komplett vorbei war. Dieses Mal könnte das schneller gehen. Mein Leben ist ja schon auf Kind und Familie eingestellt. Ich bin zufrieden damit. In meiner Vorstellung fühle ich mich schon kurz nach der Geburt wieder viel mehr ich selbst. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt…

Donnerstag (39+3):

Nüchterne Information, der Vollständigkeit halber: Es wurde angestupst. (Was ist „stupsen“ eigentlich für ein niedlich-abgefahren-seltsames Wort? „Stupsen“… Lach.) Bisher (wir schreiben 13:45) ist aber keine Veränderung feststellbar. Heute morgen wurde 2-3 Mal der Bauch hart und es zog etwas heftiger dabei im Rücken. Sonst aber nichts weiter. Wir schlagen uns mit Nerv-Scheiß wie unserem neuen doofen Vodafone-Router rum. Im Forum hat eine Mitschwangere heute Vormittag entbunden. 40+1. Bei Mrs. Elch startet heute der zweite Einleitungsversuch. 40+6… Kloß im Hals… Schlucke ihn runter.

Ich befinde mich jetzt gerade in so einem Zustand, in dem ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, dass eben dieser überhaupt noch ein Ende haben wird. Und das in sogar sehr absehbarer Zeit. Als Mensch ist man wahrscheinlich schon irgendwie darauf gepolt, sich zu arrangieren, sich an Dinge zu gewöhnen. Ich hab mich an diesen Zustand gewöhnt. So wie ich mich an meine Krankheit gewöhnt habe, die mich kaum einen Einkaufsladen ohne Schweißausbruch durchqueren und kaum eine soziale Situation ohne Aufregung überstehen lässt. Es ist jetzt so. Mein Bauch ist riesig. Ich bin total unbeweglich. Alle um mich herum werfen ihre Babys raus. Und ich sitze immernoch hier. Renne zum Arzt, sehe wunderbare Wehen auf dem CTG, merke mein sich bewegendes Baby im Bauch, bekomme regelmäßig einen steinharten Bauch, habe Ziehen im Rücken und absondere seltsames Zeug, renne permanent aufs Klo und kann nicht länger wach sein als bis 23:30. Ja, so ist das jetzt. Und ich vergesse immer wieder, dass es ganz bald wieder ganz anders sein wird. Dann werde ich ein süßes kleines Baby haben, mich fragen, ob die Pusteln was Schlimmes sind und ob er genug Milch bekommt, meine wunden Brustwarzen pflegen, mir über den Uni-Start Sorgen machen, versuchen, P. und T. unter einen Hut zu bringen, Babykacke weg machen, zwischendurch fasziniert T. beim Grimmassen schneiden zugucken, morgens über meinen labrig-gerissenen Bauch ganz schnell etwas drüber ziehen und ziemlich, ziemlich übermüdet sein.

Und so schliddern wir Menschen von Phase zu Phase, von Sommer zu Herbst zu Winter, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Sammeln Erinnerungen, an das, was war, machen uns Vorstellungen von dem, was kommt und sehnen uns nach Dingen, die vorbei sind. Über andere sind wir auch ganz froh… Eine überstandene Schwangerschaft gehört für mich eindeutig dazu. Wir wünschen uns oft, dass die Dinge anders wären… Dass wir uns besser fühlten, fitter wären oder unser Leben ein kleines bisschen anders.

Hardcore Zen von Brad Warner hab ich im Urlaub gelesen. Das überzeugte mich nicht in Gänze und ich persönlich brauche auch keinen Buddhismus, um die Denk- und Fühl-Ansätze, von denen er da spricht, gut zu finden. Für mich war das Buch aber in dem Moment genau das, was ich brauchte. (Ich lese gern Bücher und Gedanken von Menschen, die zweifeln und über die Welt grübeln und mit denen ich mich dadurch identifizieren kann. Ich bin immer auf der Suche nach Büchern, in denen mich Menschen – ob nun über eine fiktive Story oder vermittels ihrer eigenen Lebensgeschichte – in ihre Köpfe gucken lassen. Mich interessiert, wie Andere die Welt sehen. Und ich bin immer wieder erstaunt, wie selten man wirklich nahes und authentisches in die Finger bekommt.) Brad Warner ist Punkrocker einerseits und buddhistischer Mönch andererseits. Bei ihm fand ich zum genau richtigen Zeitpunkt „Take it or leave it“-Ansätze, die ich mir vorbeten kann und die mich dazu bringen, mich runterzufahren und Momente so hinzunehmen, wie sie sind. Das ist für mich nach wie vor eine enorm schwere Übung. Ich habe schon als Kind beim Karussellfahren gefragt, was wir danach machen. Ich könnte tagelang vorm Geburtstag nicht schlafen vor lauter Aufregung. Ich bin ungeduldig und übertrieben ehrgeizig seit ich das Reflektieren und soweit ich mich zurückerinnern kann.

So in etwa sehen meine „Mantren“ aus:

  1. Tu, was jetzt gerade dran ist.
  2. Konzentrier dich nur darauf, was du jetzt gerade in diesem Moment tust.
  3. Hör auf damit, die Dinge einfach nur hinter dich zu bringen und im Moment schon beim danach zu sein. Sei hier!
  4. Es gibt nichts, was irgendwie eindeutig besser oder schlechter ist. Alles ist zunächst einmal.
  5. Versuche, nur wahrzunehmen, was du jetzt wirklich wahrnehmen kannst. Ohne Vergleich. Ohne Bewertung. Ohne Einordnung. Ohne Abwerten.
  6. Frag nicht, was jetzt besser wäre oder was anders sein müsste, damit es besser wäre.
  7. Wenn du krank bist, nimm auch den Zustand so wie er ist, ohne ihn mit dem Gesundsein zu vergleichen.
  8. Tu, Tu, Tu es einfach und tu es ganz bewusst!

Man hat schließlich (fast) immer die Wahl: Man kann sich fertig und alles noch viel anstrengender machen durch Grübelei, Gejammer im Sinne von „viel besser-schöner-toller wäre es jetzt, wenn…“ und Selbstbemitleidung (das kann ich zum Beispiel ganz hervorragend). Oder man versucht, wahrzunehmen, was ist: Aha. Ich habe gerade echt starke Rückenschmerzen. Draußen fährt ein Müllauto lang und macht krach. Der Regen trommelt auf mein Fenster, durch den Wind schwillt er an und wieder ab… Das ist wirklich eine gute Übung, hab ich festgestellt – ich glaub, in der Psychotherapie nennt man das „Achtsamkeitstraining“. Schon mal versucht, dich beim Zähneputzen nur und ausschließlich auf’s Zähneputzen zu konzentrieren? Also wirklich einzig und allein auf diesen Vorgang? Durch sowas kann man wirklich in Trance-ähnliche Zustände kommen. Wenn ich merke, dass meine Gedanken, mein Gegrübel und Gehader mal wieder aus dem Ruder laufen, versuche ich mich mit Hilfe dieser „Gedächtnisstützen“ zu „besinnen“. Und das klappt bei mir bisher noch mit am besten… Also besser als autogenes Training, Yoga oder Muskelrelaxion zum Beispiel. Weil ich es viel akuter anwenden kann. Und weil es bei mir schon alles eher über den Kopf geht.

Huch… Was für ein weites Abschweifen war das denn jetzt? Naja… Herzlich Willkommen in meinem Kopf. So sieht’s hier aus, so geht’s hier zu. Tadaaaa… Und eigentlich war ich total motiviert, meine Studienleistung heute zu schreiben…

…. …. ….

Oh Mann.. Ich schwöre, ab morgen gehe ich nur noch mit Schild auf die Straße! Auf dem steht: JA. ES IST EIN ENORMER BAUCH. JA, ES MÜSSTE BALD KOMMEN. JAAAA, GENAU, ES WERDEN SICHER ZWILLINGE. Gääääähn… Schon deshalb wäre es toll, wenn’s dann doch so langsam ein Ende hätte.

Nachdem wir uns mit J&J und K&T im Kinder-Spieledings getroffen habe, gehen wir essen. Ja, entspannt ein bisschen. Außerdem haben wir seit Wochen nicht mehr wirklich was zu Essen im Haus… Bzw. Nur für die nächsten 2-3 Tage. Könnte ja was dazwischen kommen. Ich bekomme langsam Paranoia. Alle starren mich an… Wo ist mein Schild, wenn ich es brauche?? „Was ist los?“ fragt mich K. „Ich kann einfach nicht glauben, dass ich Immernoch schwanger bin…“ Ich glaub, er kann es überhaupt nicht mehr hören. Aber er gibt sich echt Mühe, das zu überspielen. Dafür verdient er Liebe, finde ich.

Plötzlich bekomme ich wieder Geburtspanik. Hä? Was soll das denn? Die ganzen Tage jetzt war ich fast „heiß“ auf die Geburt und jetzt plötzlich wieder Schiss? Nee, nee… Komm schon, Hirn! So jetzt nicht. Mir geht’s aber gerade irgendwie echt nicht gut. Mir ist schummerig, die Niere tut weh, ich bin kaputt.. Jetzt gerade hab ich wieder ein bisschen Angst, dass es in so einem „ungünstigen“ Moment losgeht… Nö Mann! Es gab auch gute Tage. Wenn ich schon warten muss, dann soll es bitte an so einem energetischen losgehen.

Schwanger sein: 40. Woche (3)

Abends/Nachts. Lese die Schwangerschaftstagebücher und Geburtsberichte von Mamamiez. Ich weiiiiß nicht, ob das so eine gute Idee war. Sie beschreibt sehr detailliert wie sich die Wehen anfühlen und ich weiiiiiß nicht, ob es gut war, mir das noch einmal so lebhaft zurück ins Gedächtnis zu rufen. Dass die Wehen und das alles einer Nahtod-Erfahrung gleichkam, daran kann ich mich noch zu gut erinnern. Ich verdränge und stürze dank Avena Sativa in einen steinernen Tiefschlaf. Wenigstens das funktioniert noch.

Mittwoch (39+2):

Wache auf. Immer der gleiche Ablauf. Wache auf, der Bauch spannt. „Ach ja, der Bauch“ denke ich und fasse ihn an. Ist er hart? Ist er weich? Ist er… noch da? Ruckele ein bisschen rum. Ich brauch eine kurze Bewegung von T., dann bin ich beruhigt. Ist so ein Ritual. Heute muss ich lange warten. Über dem Bauch tatschen und reinfühlen schlafe ich wieder ein. Ohne Bewegung.

Wache erst wieder auf, als P. sich in unser Bett wirft. Werde unruhig, bleibe auf der Seite liegen und spüre nach. Komm schon T, komm schon T… Wo bist du? Ruckele. Da… Eine Beule unten links. Ich bin erleichtert. T. bewegt sich seit etwa einer Woche wirklich sehr viel weniger. Klar. Das muss man sich mal vorstellen… Man würde mit festgeklemmten Kopf (und zwar kopfüber!) irgendwo zusammengedrückt rumhängen. Da hätte man wahrscheinlich auch nicht sooo viel Bock auf Action. Wird langsam eng, hä? Na… Wie wär’s dann… ?

Heute fühlt sich nichts nach Geburt an. Nichts. Ich werde Himbeerblättertee trinken, Leinsamen und Zimt zum Frühstück, ich werde baden gehen. Aber ich habe mich damit abgefunden, dass ich auch am kommenden Montag wieder bei meiner Ärztin auf der Matte stehen werde. Mamamiez hat beim ersten Kind 12, beim zweiten 8 und beim dritten einen Tag übertragen… ZWÖLF TAGE! Das wären noch 17, von heute an gerechnet. Das ist das, was mich so wurmt. Ich sitze hier und warte und warte und am Ende geht es halt nicht einfach los und es muss viele Tage nach Termin eingeleitet werden. Und das Kind ist dann natürlich nochmal einen Monat größer. Eine scheiß Einleitung hätte ich aber auch schon im Krankenhaus bei 37+5 haben können. Das wäre so scheiße frustrierend.

Ich versuche nun, nicht mehr in Kategorien wie „Warum kann denn nicht…?“, „Warum ist denn nicht…?“ und „Was wäre, wenn…?“ zu denken und kehre zurück zu meinen Themen. Das klappt ganz gut. Ich will mich nicht mehr auf die kleinen Regungen meines Körpers fixieren und versuche, mir immer wieder einzureden, dass ich schon merken werde, wenn irgendeine ernsthafte Veränderung eintritt und sich durch mein Rumgestresse nichts ändert, außer dass ich mich fertig mache. Wie Mamamiez sagen würde: Heute ist ein eher guter Tag. Dass mein Rücken gerade wieder an der fiesen Nierenstelle anfängt, weh zu tun… Das lasse ich jetzt mal unkommentiert. Weil ich es nicht will und nicht einsehe. Nein. Nein. Nein.

Ich bin in den letzten Jahren ja zu einem ziemlichen Informations-Junkie mutiert. Gerade auch was so körperliche Vorgänge angeht… Da will ich einfach ganz gern wissen, was da passiert. Darum auch das ganze Googlen. Manchmal entspannt es mich, wenn ich was verstehe. Gerade hab ich mal wieder was gefunden (klick, klick). „Wir haben herausgefunden, dass die durchschnittliche Zeitspanne, gemessen vom Eisprung bis zur Geburt, bei 268 Tagen lag – also 38 Wochen und zwei Tage“ – 125 Frauen im Alter von durchschnittlich 29 Jahren… Aus den gewonnen Hormonwerten ließ sich sowohl der Zeitpunkt des Eisprungs als auch das Datum der Einnistung bestimmen – „Die gemessenen Schwangerschaftszeiten variierten um bis zu 37 Tage“ – „Bei älteren Frauen dauerte die Schwangerschaft länger als bei jüngeren.“ (Für jedes Lebensjahr kann man etwa einen Schwangerschaftstag drauf rechnen) – „Frauen, die zuvor schon einmal überdurchschnittlich lange schwanger waren, entbanden auch das zweite Mal erst nach dem berechneten Termin.“ – „Je größer die Zeitspanne zwischen Eisprung und Einnistung des Embryos war, desto länger dauerte es dann auch bis zur Entbindung.“ (find ich ja recht logisch, weil die Entwicklung des Kindes ja erst mit der Einnistung dann so richtig vorwärts geht… Und wenn das später anfängt, dann dauert es halt auch länger nach hinten raus.) – „Ein in früheren Studien vermuteter Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsdauer einerseits und Geschlecht des Kindes oder Körpergewicht der Mutter andererseits ließ sich nicht feststellen.“

Kommen wir also zum Selbsthypnose-Teil: 268 Tage von der Empfängnis bis zur Geburt. (Mein neues Lieblings-Spielzeug für solche Sachen ist übrigens das hier.) T. ist ja ein Weihnachtsmännchen. Das heißt der Studie entsprechend wäre der wahrscheinlichste Termin der 17.09. So. Mein Termin passt dann auch nach der beknackten „vom letzten Tag der Menstruation“-Regel ganz okay. Allerdings hab ich von Anfang an lieber ab dem Tag der Empfängnis gerechnet… Schwankungen von 37 Tagen sind normal. Also auch diese obligatorischen 10 Tage +/-… Alles zwischen dem 07.09. und dem 27.09. (irgs!) wäre also völlig im Rahmen… (Das heißt, dass es jetzt am 11.09. sogar noch verhältnismäßig früh wäre! Seit der Empfängnis sind heute 262 Tage – 37 Wochen und 3 Tage – vergangen…) Am 29. bzw. 30.12. habe ich mir in meiner Zyklus-Big Brother-App notiert „starkes Ziehen im Unterleib. Da könnte also die Einnistung gewesen sein. Das war also vielleicht so 6 bis 7 Tage nach der „Empfängnis“… Ist das nun eher lang oder eher kurz? Soweit ich weiß, wird der Zeitraum der Einnistung mit 5-10 Tagen nach Empfängnis angegeben…

Interessant ist auf jeden Fall: „Selbst nach dem Ausschluss von sechs Frühgeburten hat die Dauer der Schwangerschaften noch um bis zu 37 Tage, also etwa fünf Wochen, variiert. Ärzte sollten dies bedenken, wenn es darum gehe zu entscheiden, ob bei einer Schwangerschaft eingegriffen werden soll.“ Hm. Und solange es Kind und Mutter „gut“ geht – wobei „gut“ ja im Prinzip heißt, dass Herzfrequenz des Kindes und Blutdruck der Mutter okay sind – bleibt das Kind halt drin. Was mir aber ein Rätsel bleibt hab ich ja schon am Ende des letzten Beitrags erwähnt… Warum kommen manche Kinder ganz leicht und früh und andere ganz schwer und spät?? Woran liegt das? Klar.. Jeder Mensch und jede Schwangerschaft ist einzigartig und so… Aber es ist doch ziemlich faszinierend, dass ein und dieselbe Frau verschiedene Kinder ganz unterschiedlich lange austrägt und die ein ganz unterschiedlich schwer und groß geboren werden. Es deutet dann ja schon jetzt ziemlich viel darauf hin, dass T. ein ganz anderer Typ Mensch sein könnte als P…. Und dann gibt es ja auch noch diese Idee, dass die Kinder dann kommen, wenn die Versorgung durch die Mutter schlechter wird. T. geht’s einfach noch zu gut im Bauch. Dann mach ich jetzt Diät. So. (SCHERZ!)

Puh… Jetzt wird der Bauch aber gerade plötzlich knallhart…. Autsch!

Ach ja… Was ich auch hier mal auch noch schreiben wollte: Danke für die Anteilnahme allerseits! Das ist sehr rührend irgendwie… Ich bekomme täglich E-Mails, Facebook-Kommentare und Nachrichten von Menschen, die ich eigentlich gar nicht kenne, die aber offensichtlich sehr hier mitfiebern… Das ist ein ganz – ichweißgarnichtgenauwasfürein – Gefühl. Ich fühle mich dadurch auf jeden Fall weniger allein damit… Und das ist gut. So wirklich denke ich nämlich nicht darüber nach, aus welchem Grund ich diesen Blog hier mache. Ich schreibe gerne, teile gern meine Gedanken mit und grüble rum… Und ich mag es, darauf ein Feedback zu bekommen. Das reicht schon. Ich find Bloggen jedenfalls befriedigender als Tagebuch schreiben… (Was nicht heißt, dass ich das nicht auch noch tue *ächem*… Naja. Jeder hat halt seine Hobbys, ne?) 

Schwanger sein: 40. Woche (2)

nach wie vor Dienstag (39+2):

Das ist mir zu viel, zu viel, zu viel. Nach jedem Anzeichen und jeder Überinterpretation in Richtung „Jetzt geht’s bald los!“ startet wahrscheinlich ein hormonell-emotionales Feuerwerk in mir. Ich bin aufgedreht oder hibbelig oder nervös oder ängstlich oder euphorisch… und wenige Stunden später darf das dann alles wieder runtergefahren werden. Fehlalarm. Nichts geht los. Katerstimmung. Es ist das Klischee einer Spät-Schwangeren, was ich gerade abgebe.

„Weißt du, ich hab einfach Angst.“ höre ich mich zu K. sagen. „Ich hab Angst, weil das Kind doch einfach immer größer und schwerer wird. Und es geht wahrscheinlich gar nicht von selber los, weil mein scheiß Körper unfähig ist, echt Wehen zu produzieren und dann muss ich ins Krankenhaus zur Einleitung und dann ist das Kind riesig und es muss doch per Kaiserschnitt rausgeholt werden. Und ich will das nicht! Ich…“ – „Jaja, ich weiß das alles. Mensch, du bist noch nicht einmal am Termin! Was soll ich denn machen? Ich kann’s doch nicht ändern!“. Dann sehe ich mich mit meiner schmerzenden Karpaltunnel-Hand dolle auf den Tisch hauen und heulend ins Bad rennen. Dort sitze ich schluchzend, begutachte den Schleim am Papier und fahre mir mit der Hand über meinen Bowlingkugel-Bauch. Alles scheiße also.

ich versuche mich abzulenken. Es klappt ganz okay. Das Heulen hat geholfen. Es wird schon losgehen. Es wird… Meine größte Angst ist gerade, dass es einfach nicht passiert. Dass ich hier zwischen den Seilen hänge… 40., 41., 42. Woche und einfach nichts passiert. Alle sagen, ich muss mich runterfahren. „Raus kommen sie alle“. Ich vertrau hier niemandem mehr gerade. Nicht einmal, was diese Aussage angeht.

Beschäftige mich jetzt wieder mit diesem Thema, das meinen Kopf gut wegbringt von Schwangerschaft und so (Bildungssystem, Bildungsreformen, …). Zwischendurch immer wieder die sozialen Netzwerke aktualisieren. „Ich hab 8 Tage nach Termin entbunden“ – „Mein Kind hat 4,5 Kilo gewogen und ich bin nicht gerissen!“ – „Der muss sich noch hübsch machen…“ … Irgendwie kann ich es alles nicht mehr hören. Und kann es trotzdem nicht lassen. Auch das Googeln nicht. Dabei weiß ich, dass die Erfahrungen der Frauen mit meiner Schwangerschaft und Geburt nichts zu tun haben. Alles kann, nichts muss. Ich beschließe, mit K und P nach der Kita an den See zu fahren. Wir beschließen, heute Abend vielleicht wirklich „nachzuhelfen“.

Ich stehe am Kindergarten-Tor und wer rennt mich fast über den Haufen? Meine Lieblings-Hebamme! Ja, richtig… Die aus dem Krankenhaus und die, die auch letztens die Urlaubsvertretung der Schwester beim Frauenarzt übernommen hat. „Ach? So sieht man sich wieder. Wir erwarten Sie schon…“ Ihr Kind geht in den selben Kindergarten wie P. Morgen Abend hat sie Dienst…

Am See. P. ist äußerst anstrengend. Übermüdet, nölig. Wie immer, wenn wir an diesem See sind. Komisch… Beim Laufen wird der Bauch wieder häufiger hart. Ich sitze am Spielplatzrand und wieso oft in den letzten Tagen wird es feucht in der Hose (Ja, lecker Details!)… Mich irritiert das immer. Aber ich bilde mir nichts mehr ein. Am Spielplatz taucht ein Mann auf, den ich kenne. Sein Sohn springt zu P. auf die Wippe… „Na, die sind ja auch in etwa ein Alter, oder?“ – „Ja“ Sage ich „Und sie haben sie untersucht als sie noch im Bauch war.“ Mir ist es eingefallen. Der Chefarzt der Geburtsstation des Krankenhauses. Man könnte ja fast abergläubisch werden. Erst die Hebamme, dann der Ober-Gyn… Als ich aufstehe, zieht sich zwischen meinen Beinen alles zusammen. Das hatte ich vor etwa 1-2 Wochen das letzte Mal. Ich mag aber nicht mehr interpretieren, was das bedeuten könnte…

Zuhause. Der Bauch wird kaum noch hart. Nichts, aber auch gar nichts deutet darauf hin, dass ich gestern Vormittag noch mit einer baldigen Geburt gerechnet habe. Ich bin müde. Ich denke an all die Frauen, die ein oder zwei Wochen übertragen und für die mein Gejammer wahrscheinlich ziemlich erbärmlich ist… „Eine Schwangerschaft dauert zwischen 38 und 42 Wochen. 40 Wochen sind doch nur ein statistischer Wert. Irgendein Tag, frei gewählt…“ Beim Gedanken daran, dass es auch noch 3 Wochen dauern kann, wird mir anders. Warum kommen manche Kinder in der 37. Woche mit 2,5 Kilo und andere machen mit 5 am Ende der 42. Woche keine Anstalten?

Tolles Ding, Natur.

Schwanger sein: 40. Woche (1)

Fuuuuck, ich glaube das echt nicht! VIERZIGSTE WOCHE! VIER – ZIG – STE! Ich bin schwanger seit ZWEIHUNDERTSECHZIG Tagen! Seit 260 verdammten Tagen dreht sich der überwiegende Teil des Tages um meine körperliche Verfassung. Und genau wie am Ende der Schwangerschaft mit P. weiß ich gar nicht mehr, wie es eigentlich ist, nicht schwanger zu sein. Aufstehen ohne Schmerzen. Laufen ohne sofortige Anstrengung. Sitzen ohne Krämpfe. Trinken ohne unmittelbaren Piss-Drang. 23:00 nicht vollkommen erledigt sein. Sich über Themen jenseits der eigenen körperlichen Grenzen austauschen. ALKOHOL!

ICH KANN DIESE WAMPE NICHT MEHR SEHEN! Dieser schrecklich gerissene, mich andauernd behindernde 120 Zentimeter-Bauch… Diese Ungewissheit, wie die Geburt verlaufen wird, ob alles gut gehen wird, ob es T. gut geht. Das macht mich mürbe! Ich will einfach nur noch wissen, dass es ihm gut geht und dass wir es geschafft haben.

Ich hasse diesen Zustand kurz vor knapp…

Montag (39+0):

Kurz vorm Schlafen gehen muss ich – uah – meine Hose wechseln. Schleeeeeeimmmmmm… K. knallt sich neben mich ins Bett, ich quatsche ihn zu, obwohl ich gerade noch müde war. Zum Glück schlafe ich dann doch ein…

Kurz vor 6 werde ich wach. Aus dem Bett hieven. Aua, Bauch hart! Pinkeln. Augen nicht zu weit auf machen. Hinlegen, wieder schlafen – losloslos! Nee, geht nicht. Bauch zu hart, Kopf zu wach. Ziehe auf’s Sofa um. Kurze Zeit später: Wieder Klo. Bin unruhig, hab Darmprobleme. Bilde mir ein leichtes Ziehen im Rücken ein. Könnte das…? Neeein! Hör jetzt auf mit dem Scheiß. GeduldGeduldGeduld… Er kommt, wann er kommt.

Um 7. Kind wird wach. Alle haben gute Laune, das steckt an. Frühstück. Esse mein „Komm raus da“-Müsli: Müsli mit Leinsamen, Zimt, Kakao und Honig. Kind wird von K. in die Kita gebracht. „Omi holt dich heute ab.“ – „Nein, ihr sollt mich abholen!“ – „Na dann musst du ihr das sagen.“ (Immer der gleiche Dialog und immer begrüßt sie ihre geliebte Omi freudestrahlend-überschwänglich). Beschäftige mich mit Themen. Darm rumort, Bauch wird hart. Trinke Fenchel-Anis-Kümmel-Tee. Mag nicht zur Gyn. 11 Uhr Termin. Hab immer Schiss, dass ich während dem CTG auf’s Klo muss. Aber mich interessiert, ob das Rückenziehen vielleicht doch etwas in Richtung Wehen ist.

Kurz nach 11. Erfreulich: Bei der Gyn ist nicht viel los. Ich muss schon wieder dringend pinkeln. Klo besetzt. Ein Klo für eine Gyn-Praxis mit haufenweise Schwangeren ist auch ziemlich knapp bemessen. Werde direkt ans CTG angeschnallt. Herzfrequenz ist in Ordnung. Keine Wehen. Ernüchterung. „Da ist nichts. Nichtsnichtsnichts!“ sage ich zu K. Mann, ich bin echt enttäuscht. „Der faule Sack!“ sagt K. Wir schweigen. „Jetzt piekt’s hier im Bauch.“ sage ich… „Was ist das denn für eine Zahl da rechts neben der Herzfrequenz?“ fragt K. „Keine Ahnung, die heißt nichts, glaub ich…“ -„Hm, das geht aber immer höher. Normal war das bei 10, das klettert gerade auf 70, 80, 90, 100…“ – „Naja, es piekst halt ein bisschen und zieht ein bisschen im Rücken. Aber wenn das ’ne Wehe ist, dann nur eine ganz Kleine.“ – „Ähm nee, das glaub ich aber nicht, die klettert ganz schön weit hoch.“ sagt er und deutet auf das Blatt, was aus dem CTG kommt:

ctg 40. ssw

„Oha… Hab ich jetzt aber gar nicht so doll gemerkt.“ Die Schwester kommt rein und staunt: „Die ist aber ordentlich! Dann lassen wir Sie mal noch eine Weile dran.“ Lässt sie mich auch. 30 Minuten. Die ersten beiden Wehen kommen im 10-Minuten-Abstand. „Wenn Sie noch können, dann warten wir nochmal 10.“ sagt sie. Und ziemlich genau nach der Zeit kommt die 3 Wehe. Die ist so bei 130. „Na, ich glaub nicht, dass wir uns noch einmal hier sehen.“ sagt sie. Und ich werde so ein bisschen euphorisch. Bin gespannt, was die Ärztin sagt und hoffe, dass sie mir nicht wieder einen Dämpfer verpasst.

„Hallo, Frau J., Sie haben ja schon schöne Wehen. Ich würde mir deshalb jetzt nochmal gern den Muttermund anschauen.“ – „Ich weiß gar nicht, ob ich’s wissen will..“ murmele ich. … … „Der Muttermund ist ganz weich und einen guten Zentimeter geöffnet. Ich kann das Köpfchen gut tasten, das ist fest. Gebärmutterhals ist noch da, aber nur wenig, etwa 1,5 cm. Vielleicht pendelt es sich ja wirklich jetzt ein. Ich sage Mal, wir sehen uns nicht nochmal.“ – Juhuuu! HibbelHibbelHibbel FreudeFreudeFreude… Vielleicht fängt die Geburt wider Erwarten doch noch ganz normal an,  mit zunehmend stärker werdenden Wehen. An einem Tag, an dem P. eh bei meiner Mutter ist? Ich denke „Länger als 2-3 Tage wird das nicht mehr dauern… Und vielleicht geht’s auch schon heute los…!“ Das wäre toll, weil ich heute echt guter Dinge bin irgendwie. Hach, diese Stimmungsschwankungen!

Zuhause… K. verfällt in die männliche Version eines Nestbautriebs. Baut den Kindersitz ins Auto, bringt sämtlichen Müll runter, schrubbt die Küsche, rasiert sich („Damit ich T. nicht so kratze“) und ich packe ganz geschäftig P.s Tasche für meine Mutter und wippe beim Tippen auf dem Pezzi-Ball auf und ab. Ich will mich nicht reinsteigern. Ich hab noch keine Schmerzen, der Bauch wird oft hart, das Ziehen im Rücken ist noch undeutlich. Ich denke, ich will mal in die Wanne gehen. Vielleicht sollten K. und ich doch nachhelfen? Ach… Ich bin gerade so gut drauf und will das langsame Hochschaukeln eigentlich nicht gleich gegen Sturmwehen eintauschen. Gott, bin ich gespannt, ob es nun wirklich tatsächlich losgeht! Halloooo T. und Körper: Wenn die Geburt echt so anfängt wie ich’s mir gewünscht hab und tatsächlich unkompliziert verläuft, dann ist der ganze Schwangerschaftsmist sofort vergeben und vergessen. Versprochen!

Nachmittags. Surfe rum. Versuche, mich irgendwie nicht zu sehr darauf zu konzentrieren, was mein Körper macht. Klappt nicht. Der Bauch wird immer wieder hart. Ab und zu ein Ziepen. Nichts weiter. Zögere die heiße Wanne hinaus. Hab Angst vor der Enttäuschung. Gehe dann doch… Und? Klar. Enttäuschung. Keine Verstärkung, einfach gar keine Veränderung. Versuche, mich nicht zu heiß zu machen. Am Ende ist das wieder alles nur „Vorbereitung“ und dieses Kind kommt erst in zwei Wochen. Ich glaube das aber nicht… Eigentlich. Oder? Ach Mensch, immer diese (emotionalen) Testläufe. Es hätte ja jetzt auch einfach mal kontinuierlich stärker werden können. Oder? ODER?

Dienstag (39+1):

Ich wache irgendwann auf und checke, ob ich was merke. Es zieht ein bisschen, der Bauch wird hart. Ich muss mich auf die andere Seite legen. Aber sonst? Nichts. Nichtsnichtsgarnichts! Auch wenn es albern ist: Mir ist nach Heulen. Was macht mein Körper mit mir? Warum verarscht er mich so?

Dieses hin und her… Da wird man doch bescheuert. An 35+0 völlig überraschend regelmäßige Wehen auf dem CTG. Wären die nicht gewesen, hätte ich mir zu dem Zeitpunkt doch nie im Leben schon Gedanken gemacht, dass es bald losgehen könnte! Befund noch unreif zu dem Zeitpunkt… Muttermund noch zu, aber weich. Köpfchen abschiebbar. Dass der Kopf noch nicht fest ist, war auch der Befund in den kommenden 2-3 Wochen. Dann Krankenhaus. Wehen auf dem CTG. Aufregung. Geht’s bald los oder wie? Befund aber ansonsten nach wie vor unreif. Muttermund gerade Mal ein wenig fingerkuppendurchlässig. Gebärmutterhals noch lang und gebogen. Einleitung wegen Nierenstau und Infekt steht im Raum. Holen wir morgen das Baby? Wieder Aufregung und Überforderung, weil ich Schmerzen wegen der Niere habe. Dann wieder regelmäßige Wehen auf dem CTG. „Vielleicht geht es doch von allein los!“ Wieder Aufregung. Vielleicht kommt das Baby jetzt bald. Am nächsten Tag: Keine Wehen mehr, nichts, nach Hause gehen. Vielleicht Einleitung am Ende der Woche, wenn die Schmerzen nicht weg gehen. Latenzphase. Dann Genesung. Schleimige Absonderungen. Schleimpropf? Ziehen im Rücken. Bei der Gyn starke, regelmäßige Ausschläge (Wehenstärke über 100) auf dem CTG. Ich freu mich, denke, dass das doch echt gut aussieht. Befund: Muttermund ganz weich und 1 cm geöffnet, Gebärmutterhals fast verstrichen. Wieder Aufregung. „Vielleicht haben wir morgen schon das Baby?!“… Ja. Es wäre sowas von Zeit. Das ist echt eine emotionale Achterbahn, die mich ganz schön mitnimmt.

Und nein, ich kriege es nicht hin, mich zu entspannen! Ja, auch wenn ich mir denke, dass „jeder Tag im Bauch gut für’s Baby“ ist. Nein, ich denke mir, dass mein Baby jeden Tag einfach nur größer und schwerer wird und ich zu einem Nervenbündel mutiere. Ja, auch wenn ich mir denke, dass es doch toll ist, wenn sich schon was tut ohne dass ich Schmerzen habe. „Keine Wehe ist umsonst.“ Ach, leck mich… Echt. Ich habe gerade das Gefühl / die Befürchtung, dass es gar nicht von allein losgeht und dass mein Körper einfach nur Mist macht! Dass ich am Ende alles mitnehmen werde, das ganze Programm… Sowohl die Aufregung und Ungewissheit ob langsam einsetzender Wehen, als auch eine nervige Einleitung, die am Ende in einem Kaiserschnitt endet.

Ich versuche, mich nicht darauf zu konzentrieren und andere Dinge zu machen, mich mit anderen Sachen zu beschäftigen. Nicht mehr auf die popligen kleinen Signale meines Körpers zu achten. Wenn es losgeht, werde ich es schon merken.

Aber ganz ehrlich? Ich könnt gerade heulen. Und ja, ich finde es bescheuert. Ja, ich weiß, dass ich Geduld haben muss. Ja, ich fänd es auch besser, ich wäre nicht so ein scheiß nervös-angespannt-ungeduldiger Mensch. Aber kann man die nervliche Belastung bei dieser emotionalen Berg und Tal-Fahrt seit 4 Wochen nicht auch ein bisschen verstehen?