Müde.

Ich bin müde. MÜDE-MÜDE-MÜDE!

Bevor Mensch Kinder hat, ist es wohl diese Sache – neben der Fremdbestimmung -, die von vielen kolossal unterschätzt wird. Schlafmangel. Wochen, Monate, manchmal Jahre.

Ich habe in dieser der Schwangerschaft sehr darauf geachtet, nicht viel später als 23 Uhr ins Bett zu gehen. Ich wollte „vorschlafen“, obwohl mir klar war, dass das 1. nicht geht und der Effekt 2. nach einer anstrengenden Geburt eh dahin ist, davon mal  ganz abgesehen, dass die Nächte am Ende einer Schwangerschaft alles andere als erholsam sind… Trotzdem: Am Anfang konnte ich irgendwie doch ein bisschen davon zehren.

Und jetzt? T. ist inzwischen 4,5 Monate alt. Er geht gegen 20:30 ins Bett und schläft zum Glück recht zuverlässig ein. In Ausnahmefällen schläft er Mal bis 1-2-3 Uhr. Meistens wird er aber zwischen 23:30 und 00:30 wieder wach, will trinken. Und dann 2-3 stündlich. Morgens ist die Nacht zwischen 7 und 8 vorbei, das ist soweit okay.

Ich fühle mich aber trotzdem die meiste Zeit extrem gerädert.

Ich kann will mich abends auch nicht einfach 20 Uhr mit hinlegen. Ich lechze nach den 2-3 Stunden am Abend, in denen ich tun und lassen kann, was ich will (oder muss). Wenn beide Kinder im Bett liegen, fällt die Verantwortung von mir ab wie ein schwerer Rucksack. FREIHEIT! Selbst wenn ich vorher todmüde war… Dann werden Kraftreserven aktiviert, ich schaffe es noch irgendwelche Texte zu erledigen oder gesellschaftspolitisch aktiv zu sein. Bei P. ging das zum Beispiel nicht. Da war ich abends am Ende und nur noch Sofa möglich. Wenn überhaupt.

Ich brauche diese freien Stunden so dringend. Ich kann sie nicht gegen Schlaf eintauschen! Würde ich sie verschlafen, wäre ich ausschließlich Mutter, von früh bis spät. Ich wäre ausschließlich tagtäglich nur für Andere da. Von Aufstehen bis Schlafen kümmern, springen, schuckeln, Tränen trocknen, diskutieren, wickeln, stillen, den Tag füllen, Spielplätze, Essen kredenzen, Chaos begrenzen, spielen, Nein sagen, Ja sagen, „Das geht jetzt aber nicht“ sagen, noch mehr diskutieren, aufpassen, bis 10 zählen, den Kopf vorm Platzen bewahren, … Es scheint Menschen zu geben, die das können. Ich kann’s nur bedingt.

Aber ich merke, wie ich abbaue. Die Müdigkeit schwillt nicht mehr an und ab, sie ist immer da. Ich werde ständig krank, hatte inzwischen schon die 5. Mastitis. Als Elter ist Kurieren nicht (oder kaum) drin. Man muss weitermachen, immer immer weitermachen. Egal, wie sehr du eine Pause bräuchtest. Mit einem Kind können die Großeltern einen für 1-2 Tage (manchmal sogar länger) tatsächlich Mal komplett entlasten. Mit zwei Kindern geht das – zumindest anfangs – nicht so ohne Weiteres. Der Kleine bleibt ja da… Er ist einfach immer da. Und es bringt mir auch nichts, wenn ihn mir mal Jemand „1-2 Stunden abnimmt“. Ich kann tagsüber nicht schlafen, brauche zu lange zum einschlafen…

Habe neulich hier den Satz gelesen:

Wenn die Kinder bei der Tagesmutter waren und ich arbeitete, kam ich mir vor wie auf Müttergenesungskur.

Ich musste daran denken, als ich im Zug zur Uni saß. In die Uni zu gehen, ohne Kind an der Hand oder am (oder im) Bauch ist momentan für mich tatsächlich wie ein Kurzurlaub. Ich bin an keinen Tagen der Woche so entspannt, wenn ich wieder Zuhause bin. Einfach Mal stundenweise was Anderes sehen. In Ruhe 5 Sätze hintereinander denken und/oder sprechen. Sich einem Thema widmen. Letzte Woche habe ich eine Prüfung geschrieben und sowohl Vorbereitung als auch Durchführung liefen erstaunlich reibungslos und entspannt ab. Ich könnt fast sagen entspannend.

Wenn zwischendurch nicht ab und zu dieses Sinnlosigkeitsgegrübel hätte, könnte ich noch bestimmter sagen, dass die Entscheidung, das Studium dieses Mal nicht ganz zu unterbrechen für mich definitiv die richtige Entscheidung war, auch wenn es mir am Anfang echt davor gegraut hat und organisatorisch aufwendig ist. Diese regelmäßige Anzeit für’s Hirn tut mir gut und ich fühle mich allgemein nicht ganz so raus.

Was ich allerdings auch wieder an mir beobachte, obwohl ich dachte, es schon bei P. abgelegt zu haben: Aufgrund von Kindern, Studium, Ehrenamt etc. in Kombination mit meiner Müdigkeit bleibt kaum de facto keine Zeit und Energie für andere Sachen. Sowas wie Freunde treffen, abends Weggehen, Kino,… Es geht einfach nicht. Am Ende der Tage habe ich weder Kraft noch Zeit noch Lust noch Kopf dafür übrig. Und ich fühle mich deswegen schlecht. Nicht schlecht, weil ich es eigentlich will, sondern weil ich denke, dass es von mir erwartet wird oder dass ich es müsste, meinen Freunden sowas wie schuldig bin… Dieses schlechte Gewissen Anderen gegenüber begleitet mich schon ewig, mal mehr und mal weniger. Und ich habe da auch so meine Theorien, warum das so ist. Aber gerade bei diesem sozialen schlechten Gewissen hatte ich gedacht, ich hätte es inzwischen hinter mir gelassen. Es nagt an mir…

Sollte ich mich nicht doch mal zwingen? Könnte es am Ende nicht sogar ganz schön sein? Vergraule ich meine Freunde dadurch endgültig? Ich bin ein verdammter Loser!

Ich stelle mir vor, wie sich gute Freunde denken: „Die brauch ich nicht fragen, die kann ja eh nicht.“ und fühle mich irgendwie ungerecht behandelt, glaub ich. Dann denke ich, dass kinderlose Menschen einfach keine Ahnung haben, wie unglaublich Kräftezehrend es ist (oder sein kann), zwei kleine Kinder zu haben.

Wenn ich mir ein Treffen vorstelle, finde ich schon die Vorstellung anstrengend… Ich sehe mich, krampfhaft nach kinderfreien Themen suchend und das Dauergähnen unterdrückend, zum x-ten Mal erklärend, dass ich nichts trinken kann und dass es bei mir nichts großartig Neues gibt, außer vielleicht dass die Prüfung gut lief, wir uns gerade eine Presseschlacht mit einer dubiosen Firma liefern, T. sich jetzt vom Rücken auf den Bauch dreht und P. im Denken und Reden schon wieder viel Weiter ist als noch vor Kurzem. Dann erzählt vielleicht das Gegenüber. Und dann ist das Stille und das flaue Gefühl, dass man einfach zu wenig miteinander teilt, alsdass man noch so entspannt schöne Zeiten miteinander verbringen könnte wie „damals“… Die gemeinsamen Erlebnisse fehlen einfach. Und ohne die geht es nicht. Nicht gut jedenfalls. Ich hab das Gefühl, dass meine kinderlosen Altersgenossen von mir Dinge erwarten – Spaß, Action, Erlebnisse, wasweißich -, die ich einfach nicht (mehr) bieten kann. Und dann fühle ich mich alt. Und irgendwie spießig. Und Fehl am Platz. Ich kann mit „immer was erleben müssen“-Leuten nichts mehr anfangen.

Ich bevorzuge es, zu lesen, mich in mein Studium zu vergraben, entspannt Filme zu gucken oder zu Schreiben. Und eigentlich finde ich das auch alles in Ordnung so. Wäre da nicht das kleine fiese Ding, was mir unentwegt – leise aber unüberhörbar – in den Kopf flüstert, dass ich mich vorm Draußen drücke, dass ich flüchte und schon wieder auf dem besten Weg bin, mich einzuigeln, es in mir bequem zu machen und das Leben auszuschließen.

wherethemagichappens
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Es funktioniert! (+ Liebeserklärung)

Die vielen Gespräche der letzten Zeit mit K. und anderen Menschen, das viele Schreiben und auch eure Antworten auf meine Fragen, vielleicht auch der Beginn des Studiums, in dem ich mich ja nun auch fachlich mit pädagogischen Themen auseinandersetze, scheint etwas zu bewirken. Weniger bei meinem kleinen P. als bei mir.

Ja, ich komme zunehmend besser klar. Auch wenn das komisch klingt, weil mein Artikel über die „Grenzen-Problematik“ (höhö!) ja erst vorgestern hier erschienen ist. Das gärt und entwickelt sich ja alles schon länger. Und was soll ich sagen? Es funktioniert. JUHUUU!

Ich bin konsequenter. Und ich weiß, dass das gut ist. Ich sage Dinge wie „Ja, das Messer ist runtergefallen. Du kannst es selbst aufheben oder es bleibt liegen. Ich hebe es nicht auf.“ oder auch „P, wenn du einfach rumbrüllst, dann möchte ich nicht mehr weiter essen.“ Wundersamerweise Dinge, die ich vorher nie so klar ausgesprochen habe, die aber ganz einfach funktionieren. Das P. sagt dann „Doch Essen!“ und es geht friedlich weiter.

Ich bin interessierter. Eine Kommilitonin meinte, sie fände meinen Tipp mit der „Geschwister-Taktik“ total gut. Das hatte ich bis dato vor Gram über die schlechte Stimmung von mir und P. schon wieder fast vergessen. Aber es ist tatsächlich ein guter Tipp! Und wenn ich bei all der Mütterlichkeit und den Fragen im Kopf meinem Kind einfach mal wieder interessiert beim Spielen und „sich verhalten“ zugucke, dann löst sich ganz viel „Ätz!!!“ in „Hach…“ oder „Ach deshalb!“ auf. So einem Kleinkind beim Welterkunden und Reagieren beobachten kann nämlich echt spannend sein.

Ich bin ausgeglichener. Tatsächlich bewirkt die „gerechtere“ Verteilung des D.A.K. („Dienst am Kind“) in und mit mir wahre Wunder. Trotz organisatorischem Stress und innerer Anspannung ob all der neuen Menschen, Themen und Fristen, die auf mich einströmen, fühle ich mich mit meiner Familie wohler. Weil ich nicht mehr immer und jeden Nachmittag alleine entscheide, was ich mit meinem Kind nun anstellen soll, auch dann, wenn ich eigentlich das Bedürfnis habe, meinen Kopf und mich mal mit etwas anderem zu beschäftigen. K.’s Dienste sind jetzt verteilter, er holt das P. regelmäßig aus der Kita ab und die beiden mich dann vom Bahnhof. K. ist nicht mehr einmal im Monat eine Woche ganz weg. K. und ich waren sogar 2x in dieser Woche gemeinsam OHNE KIND frühstücken! Luxus! Es kommt so etwas wie Paarzeit auf und es tut uns gut. Uns allen! (Btw. bestätigt sich hier meine Vermutung, dass MEINE ideal-utopische (?) Vorstellung von Familie wäre: Beide Eltern = Teilzeit.)

Kleinkinder sind (auch) toll! Ehrlich! ;-)

Das versprochene Nach-Reichen der Gegenseite. Das ist mir wirklich, wirklich wichtig! Ich nutze diesen Blog (so wie übrigens jegliche „Output-Optionen“) immer eher als Spucknapf und Kompensations-Instrument. Ich bin nicht so gut über Sachen zu schreiben, die ganz toll und entzückend sind und ich komme auch selbst mit den Zuckerguss-über’s-Kind-Artikeln nicht gut klar. Ich les das nicht so gerne. Das klingt immer so nach übertriebener Mutterliebe und Protzen und Schürze tragen und Putzfimmel und Reihenhaus und Angst vor Nonkonformität… Ich krieg davon jedenfalls immer ein kleines bisschen Gänsehaut. Ich kaue lieber Probleme und Fragen durch, zeige lieber die andere, irgendwie auch normale Seite des Elternseins und… ja… kotze ein bisschen ab. Aber zugegeben: Vielleicht entsteht dadurch ein bisschen der falsche Eindruck?

Nun ja: Hier also mein Versuch für alle Eltern, die vielleicht hier mitlesen, jüngere Kinder haben und sich bei jedem neuen Artikel denken: „ACH DU SCHEISSE! WIE WERDE ICH MEIN KIND LOS BEVOR DAS MIT IHM PASSIERT???“, von den anderen, total schönen Kleinkind-Seiten zu erzählen:

  1. Sie lernen sprechen!

    Das ist das tollste und lustigste und beste überhaupt. Der wundervolle „Quark“, der jeden Tag aus P. rauspurzelt ist so entzückend und herzallerliebst, dass auch ich die Zuckerguss-Quetsche nicht unterdrücken kann. Oder auch einfach: Wenn Kinder sprechen lernen, das fetzt! Die ganze unverdorbene Kreativität und Phantasie kommt da zum Ausdruck. P. singt z.B. ganz oft Phantasie-Liedchen, manchmal Quatsch-Texte auf bekannte Kinderlied-Melodien („Alle meine Hüte, swimmen aufen See!“) oder ganz neue Kreationen wie „Kommt die kleine Schnecke. Und die Augen. Und die kleine geeeeeeelbe Erdbeere“.

    Das wollt und dürft ihr nicht verpassen, schon allein dafür „lohnt“ sich jede Kleinkind-Phase allemal!

  2. Sie zeigen uns die Welt!

    Zum Beispiel: „Alles ist Spielzeug! Ich brauche kein extra Spielzeug, Mama. Kauf nicht immer so viel Rotz!“ Kleinkinder kommen auf so viele tolle Ideen… Diese Art von Phantasie, die hat man als Erwachsener einfach nicht mehr. Und ein bisschen erklären sie uns damit die Welt neu, finde ich. Das P. hat bei einem unserer letzten Abendbrote zum Beispiel eine Sandwich-Gurke über ihren Finger gelegt und festgestellt, dass das nun eine Rutsche ist. Woraufhin erst ihre Finger und dann die Physalis die Gurken-Rutsche ausprobieren durften. Kuscheltier-Mäuse werden genauso verabschiedet wie Bücher, Lineale und Schränke. Alle Menschen werden begrüßt, egal ob man sie kennt oder nicht. Überall wird Freundschaft geschlossen, kleinste Gemeinsamkeiten (und sei es nur ein Blick, der sich trifft) reichen aus, um kurzfristige Freundschaften zu schließen.

  3. Sie zeigen uns, wer wir sind!

    Immer wieder faszinierend: Kleine Kinder spüren, womit oder mit wem ihre Eltern ein Problem haben, bevor sie sich selbst darüber im klaren sind. Bist du unentspannt, sind sie es auch. Bist du dir bei einer Sache nicht sicher, sind sie es sich auch nicht. Kannst du etwas oder jemanden nicht leiden, reagieren sie dementsprechend auf die Situation. Willst du dich aus Angst (die du aber eigentlich überwinden willst) vor etwas drücken, drängen sich dich dazu es doch zu tun. Kleinkinder sind ein Spiegel ihrer Eltern. Sagt man nicht, dass Großeltern erst an ihren Enkeln sehen, ob sie gute Eltern gewesen sind? Ich denke, dass das sowas von wahr ist!

  4. Es macht Spaß und es macht Sinn!

    Ich frage mich das immer mal, wenn ich gerade den Impuls verspüre, dass ich keine Lust ein Kleinkind-Kram habe: Was würde ich jetzt tun, wenn ich kein Kind hätte? Rumhängen. Smalltalk mit irgendwelchen Leuten führen. Irgendwas tun. Jede Kneipentour und jedes Konzert mitnehmen. Tolles Ding. In diesen Momenten wird mir sehr oft klar, dass ich froh bin. Froh, dass ich nach der Uni nicht in meine WG fahre und abends ein paar Drinks zum einschlafen brauche. Froh, dass ich irgendwelchen Quatsch machen nicht mehr als meinen Lebensinhalt bezeichne. Froh, dass ich mich nie allein fühle. Froh, dass ich mich nicht mehr ständig fragen muss, wohin mich mein Leben führen soll und wofür ich das alles tue. Froh, dass ich einen Grund habe, nach Hause zu fahren. Froh, dass ich mich auf mein Zuhause freue. Froh, dass ich eine Familie habe.

  5. Liebe.

    Die Liebe, die Mensch von seinen eigenen Kindern entgegengebracht bekommt ist immens. Ehrlich, unvoreingenommen, rein… Das haut mich immer wieder um. Das war so von Anfang an. Aber ein Kleinkind hat ja noch einmal ganz neue Möglichkeiten, zu zeigen, dass es einen mag und braucht. Wenn dem Plapperkind dann plötzlich, neben haufenweise anderen Wörtern, „Hab Mama auch lieb“ aus dem Mund purzelt und es einen anstrahlt. Wenn das Kind beim Abholen in einem Affenzahn von gaaaaaanz hinten im Kita-Garten bis nach gaaaaaaaaaaaanz vorn zur Eingangstür gerannt kommt, um sich einem in die Arme zu werfen. Wenn man abends zusammen auf dem Sofa hängt und das kleine Große zu einem auf den Bauch geklettert kommt und man dann da so liegt und kuschelt und „Der kleine Maulwurf“ guckt. Wenn man am Samstagmorgen 10:00 die Zimmertür aufmacht, um das Kind zu wecken und man es 1. so vorfindet:

und man 2. mit einem fröhlichen „Hallo Mamaaaaaaaa! Gut deslafen?“ empfangen wird. Wenn man abends im Bad bei gedämpften Licht tanzend Ella Fitzgeralds „Tenderly“ hört und sich ein kleiner Kopf ganz entspannt in den Nacken schmiegt und sich zwei Ärmchen um den Hals schlingen…

Dann… ja, dann ist der ganze Nerv vergessen und es ist einfach toll, ein kleines Kind zu haben, mit dem man seine Zeit verbringen darf.

Studieren mit Kind?

Ein Monat also noch bis zum Studium. Leise – okay manchmal auch laute – Bedenken schwirren mir im Kopf… Wie war das bei euch so mit dem Uni-Kind/Familie-Spagat? Hat’s gut geklappt? Habt ihr Geheim-Tipps und Achtung-Schreie für mich?

Mir schwirrt’s da so um:

  • Geld

Ich habe immer noch keinen BaFög-Bescheid. Und eigentlich keinen Bock auf die Rückzahlung, die mir dann in ein paar Jahren im Nacken hängt. Versuch 1 ein Stipendium zu bekommen ist in der letzten Etappe gescheitert. Da gäbe es zusätzlich zum BaFög-Satz noch 150 Euro für Bücher + extra Kinderzuschuss. Versuch 2 für ein Teilstipendium läuft. Info darüber bekomme ich Ende September. Nächste Versuche für Vollstipendium werden im 2. Semester – oder so – gestartet. Ich studiere nicht in meiner Stadt, sondern muss täglich pendeln zu beschissenen Tarifen. 110 Euro Semesterticket für die Stadt dort und jeden Monat um die 80 für die andere Hälfte der Strecke hier.

Und ich muss realistischerweise eingestehen: Wir leben über unseren Verhältnissen, bezahlen einfach zu viel Miete. Aber jetzt umziehen? Ich will in diesem Viertel bleiben. Und hier eine familientaugliche und bezahlbare Wohnung zu bekommen, ist echt nicht so easy. Ich mache mir Sorgen, wegen dem Geld. Weiß, dass neben Studium und P. kaum Zeit sein wird, richtig zu arbeiten. Und eine chronische Krankheit schleppe ich ja auch noch rum. Für die wäre das ein gefundenes Fressen.

  • Zeit

Wie wird das mit dem pendeln? Kriegen wir (ich und der Crohn) das auf die Reihe ohne durchzudrehen? Wird das mit K.s Arbeits- und P.s Betreuungszeiten klappen? Der Studiengang setzt viel auf Selbststudium. Schaffe ich das… rein zeitlich? Kommt das P. dann nicht zu kurz? 40 Stunden pro Woche soll man schon einplanen… motiviert bin ich auch. Aber dann seh ich wieder das P. vor mir… „Mama… Bilän?“

  • Druck

Ich kenne mich doch. Ich mach mich immer viel zu heiß, mir selbst zu viel Druck. Falls irgendein Stipendium klappen sollte, wird sich das noch erhöhen. Auch da wird das Bauchmonster sich freuen. („Juhu, die stresst sich, dann leg ich mal mit los!“) Werde ich es dieses Mal schaffen, halbwegs entspannt zu bleiben, meinen Fähigkeiten zu vertrauen? Immerhin bin ich nun doch ein paar Jahre und Erfahrungen älter und benehme mich hoffentlich nicht mehr so… seltsam.

  • Zukunft

Wir haben uns auf einen Zeitraum für Nr. 2 geeinigt. Ab Anfang nächsten Jahres werden wir das Thema angehen. Das fühlt sich richtig an, auch wenn sich der etwaige Studienabschluss dadurch wieder verschiebt. Aber ich denke, dass dieses erneute Babyjahr für mich in 10 Jahren weniger eine Rolle spielen wird als der Fakt, dass ich dann 2 Kinder mit einem guten Altersabstand habe. Denn was den angeht, spielen die Jahre ja irgendwie doch eine Rolle. Aber: Wie wird die Organisation dann laufen? Wird das so einfach sein, wieder zu unterbrechen und dann mit 2 Kindern Haus- und Abschlussarbeiten zu schreiben? Und dann stünde auch wieder die Suche nach einem Betreuungsplatz an *seufz*

  • Engagement

Und bei all den Dingen: Wo bleibt die Zeit für die Rettung der Welt? Bisher hab ich zwar viel im Kopf, aber wenig „vorzuweisen“. Ich versuche mir einzuhämmern, dass das, was ich studiere und damit vorhabe ja in gewisser Weise schon zu „etwas Gutes tun“ zählt.

  • Gernemach

Haha. Singen, Musik schreiben, Texten, Nähen, Kultur… Verschieb ich dann wohl alles auf in 10 Jahren.

Ich stelle immer wieder fest, dass ich zu viel auf einmal will und deshalb ständig innerlich unaufgeräumt bin. Ich hab ständig so ein „Hmmm… Wieder nicht geschafft / genug gemacht“-Gefühl, was mir regelmäßig von der Innenseite meines Kopfes gegen den Schädel zu knallen scheint und mich zuweilen nicht schlafen lässt.

Und diese GedankenGedankenGedanken… Uaaaaaaah!!! Einerseits bin ich total verkopft-grübelt und mache mir über jeden Scheiß Gedanken. Andererseits bin ich aber der Meinung, dass Mensch sich selbst nicht so immens wichtig nehmen sollte und Sinnfragen allgemein ziemlich sinnlos sind, weil es nun einmal keine großen Antworten gibt. Ergo: Nicht nur die Welt ist widersprüchlich, sondern auch ich. Daraus kann jetzt irgendjemand schlau-begabtes ein fantastisches Gleichnis machen-texten-malen, ich lass es mal einfach so stehen. Oder versuche es zumindest.