Erziehungsfragen (1): Der eigene Wille

Das P. hat sich in den letzten Monaten rasant entwickelt. Von allen Seiten höre ich jetzt zunehmend Sachen wie „Das ist schon ein starkes PersÖNCHEN“ oder „Sie hat auf jeden Fall ihren eigenen Kopf“. Nicht, dass ihr mich falsch versteht: Ich finde das gut. Davon mal abgesehen, dass natürlich jedes Kind ganz prinzipiell erstmal so sein darf, wie es ist, ist meinem Inneren ein Kind mit eigenem Willen lieber als ein eventuell zukünftiger Ja-Sager.

ABER: Wie macht einem „starken PersÖNCHEN“ nun Grenzen bezüglich des eigenen Willens klar?

Welche Signale sind die richtigen, um ihr zu vermitteln: Einen eigenen Kopf zu haben und zu wissen, was man will / seine eigenen Gefühle… seinen eigenen Willen… zu zeigen, ist eine sehr gute Sache, aber man muss trotzdem an der ein oder anderen Stelle Kompromisse eingehen.

Wie macht man so einem Kleinkind „richtig“ klar, dass es nicht einfach zu jeder Zeit, unmittelbar und sofort ALLES haben kann, was es gerade haben will?

Zum Beispiel jedes Stückchen Brot mit einem anderen Aufstrich. Oder das Spielzeug eines anderen Kindes. Oder ein zweites Paar Schuhe (über dem ersten Paar Schuhe). Oder eine Flatrate Kekse.

Bevor P. wirklich ausdrücken konnte, was sie will, habe ich mir immer gesagt, dass ich auf gar keinen Fall so eine „Weil Mama das sagt“-Mama sein will. Ich habe mir vorgenommen, mich immer wieder selbst zu fragen, warum ich dieses oder jenes verweigere oder verbiete… ob das tatsächlich einen „sinnvollen“ Grund hat oder das nur so ein „Routine-„Ich bin gestresst“-Verbot“ ist. Und ich habe mir geschworen, ihr die Dinge zu erklären… Dabei aber auch nicht zu einer „Schnubbelhäschen! Die Mama möchte nicht, dass du das Brot aus dem Müll holst und isst, WEIL das ist gefährlich, WEIL das KÖNNTE dich krank machen, mein Engelchen. Verstehst du? Also mach bitte den Mülleimer wieder zu… Schnubelhäschen? Wo ist denn das Brotstück jetzt, mein Schnäuzelchen? Die Mama möchte, dass du das Brot wieder ausspuckst, mein Zuckerhase… Bitte.“-Übermutter mutieren (Kommt „mutieren“ von Mutter? Gnihihi…).

Kurzum: Ich möchte eine „coole“ und verständnisvolle, aber auch konsequente Mutter für P. sein.

Nur wie zur Hölle stellt man das an, wenn das Kind bei jedem „Nein“ ausrastet???

Und im Falle, dass ihr mir zum Ignorieren ratet: Mein Kind beruhigt sich nicht. Sie brüllt 30, 40, 50 Minuten am Stück. Ich glaube, sie vergisst relativ schnell, worum es eigentlich ging, aber nicht, dass sie sauer ist. Trotzdem durchziehen, weil sie es irgendwann begreift?

Außerdem neigt P. seit einigen Wochen dazu um sich zu schlagen und wütend Dinge durch die Gegend zu werfen, wenn ihr etwas nicht passt. Ähm ja. Hier irgendwelche Vorschläge?

Ist es eigentlich die Schuld der Medien, dass ich die fast panische Frage: „Und was, wenn sie ADHS hat???“ in solchen Situationen manchmal im Kopf habe? Oder ist das menschlich??

Passend zum Thema empfehle ich übrigens die folgende kurze Videosequenz ;)

Motzkoffer Deluxe!

Mein Kind befindet sich seit geraumer Zeit in der „Motzphase“. Das hab ich so nicht bestellt, und ich würde diese Funktion gerne reparieren lassen. Es ist an-stren-gend. Und so schnell, wie P. momentan ausrastet, kann ich einfach weder denken, noch gucken und schon gar nicht adäquat reagieren. Wie soll man denn da bitte noch pädagogisch wertvoll handeln???

Hier einige Ausrast-Auslöser des gestrigen Tages:

1. Frühmorgens, weil ich die Knöpfe von ihrem Body zumachen wollte.

2. Beim Abholen in der KiTa, weil ich das „falsche“ Essen mit hatte (Knusperbrot mit ohne Zucker).

3. Beim Einkaufen:

a) weil sie auf einer viel zu hohen Balustrade laufen wollte
b) weil ich die Tür der öffentlichen Toilette zugemacht habe
c) weil ich den Auto-Einkaufswagen nicht ohne Unterbrechung bewegt habe (um halt etwas EIN-ZU-KAUFEN…)
d) weil sie nicht mehr im Auto-Wagen sitzen wollte
e) weil sie wieder zurück in den Auto-Wagen wollte
f) weil wir den Auto-Wagen abgestellt haben
g) weil wir den Auto-Wagen nicht mitgenommen haben
h) weil sie auf den Arm wollte, ich aber einpacken musste

4. Auf dem Nachhauseweg:

a) weil sie auf den Arm wollte und nicht laufen
b) weil sie laufen wollte und nicht auf den Arm
c) weil sie sich vor Wut auf die Knie hat fallen lassen und das (Überraschung!) weh tat
d) weil sie mit der Bahn (auf der anderen Straßenseite) fahren wollte
d) weil wir dann in eine Bahn eingestiegen sind
e) weil die Türen der Bahn zugegangen sind
f) weil die Türen der Bahn aufgegangen sind (wtf?!)
g) weil ein Kind in der Bahn einen Riegel hatte (und sie nicht)
h) weil sie nicht durch die fahrende Bahn laufen durfte
i) weil wir aus der Bahn ausgestiegen sind
j) weil sie auf den Arm wollte und nicht laufen
k) weil sie laufen wollte und nicht auf den Arm
l) weil sie dann doch auf den Arm wollte (erwähnte ich, dass ich Einkaufstüten zu tragen hatte?)
m) weil eine Frau mit Baby auf dem Arm uns überholt hat
n) weil sie dann, als wir in unsere Haustür sind, das Baby nicht mehr gesehen hat (30 Minuten Wutgeschrei)

5. Zuhause:

a) weil sie die Schuhe anlassen wollte
b) weil sie die Jacke anlassen wollte
c) weil sie die Jacke ausgezogen haben wollte
d) weil sie Kekse wollte
e) weil sie saure Gurken wollte
f) weil sie mit der Kühlschranktür spielen wollte
g) weil sie auf ihrem Hochstuhl rumklettern wollte
h) weil sie Kekse wollte

undsoweiterundsofort

*Haare rauf*