Mensch Kind, jetzt mach doch mal ein bisschen mit!

Boar… Kleinkind-Eltern: Kennt ihr das? Der alltägliche Plan sieht in etwa Folgendes vor: Kind von der Kita abholen, eventuell Zwischenstopp auf’m Spielplatz oder so, nach Hause, ein bisschen (RUHIG!) spielen (hahahaha…), gemeinsames fröhlich-entspanntes Abendessen, Runterkommen, kleine Bad-Runde (Waschen-Zähne-Schlafanzug), 2 Geschichten vorlesen, Küsschen, Schlafen. Danach Feierabend.

Schöner Plan. So läuft es aber in so… hmnnn… vielleicht 3? von 100 Fällen. Wenn’s hochkommt. Weil 3-Jährige Meister-Saboteure sind! Wir sagen hier jedenfalls ständig diesen bescheuerten Satz: „Kannst du nicht ein bisschen mitmachen?“ Meistens in den Umbruch-Situationen: Vom Schlafanzug in die Tagessachen, vom Kinderzimmer an den Frühstückstisch, vom Frühstückstisch ins Bad zum Zähneputzen, beim Fertigwerden mit dem Zähneputzen, beim Zahnputzwasser ausspülen, vom Bad zum Straßensachen anziehen, das Straßensachen anziehen ansich und dasselbe abends noch einmal potenziert, weil dann noch die kleinkindliche Müdigkeit dazukommt.

Als ich mit einem quietschvergnügten T. heute früh eine entspannte Wickelrunde verbrachte, krachte P. die Badtür auf, so schnell und doll, dass sämtliche Gerätschaften vom Badschrank herunterfielen. „Das is nis so slimm! Das räumt Mama wieder auf… Aaaaah, T.-Mann, kleiner Babymann, Papi, ich will meine Treppe… Oh T.! Hallo guck mal, der nimmt meine Hand! Lalalalalalalaaaa… Ich will die Zahncreme drauf machen! Nein Papi! Is kann das son alleine! Neeeeeeein!! Is will das!!! Blöder Papi!!“ *rumms* Abgang Kind.  Dramatische Heulerei aus dem Kinderzimmer. K. guckt mich mitleidserregend an: „Jeder Schritt. Jeder einzelne Schritt ist ein Kampf. ALLES wird diskutiert und torpediert! Da wird man doch IRRE!“

Wenn man sich einmal die Mühe macht, sich in die Lage des Kindes hineinzuversetzen, wird schnell klar, dass das für sie ziemlich frustrierend sein muss. Sie werden ja quasi den ganzen Tag fremdbestimmt. Ständig sollen sie irgendwas machen, was sie sich nicht selbst ausgesucht haben. Ständig sollen sie dem Ablauf folgen, der von Anderen festgelegt wurde. Dazu haben die Eltern im Alltag nicht selten eine „Jetzt mach doch mal!“-Art drauf. „Jetzt zieh dir doch mal die Hose an!“ … „Jetzt iss doch mal dein Essen auf!“ … „Jetzt wasch dir doch mal die Hände!“ … Kinder sind keine Roboter. Und es ist schon verständlich, dass Kinder ja gar nicht anders können, als in diesen zum Teil recht festen Abläufen zu versuchen, trotzdem ihr Ding zu machen.

Wie sieht „ihr Ding“ aus? Wegrennen, rumhüpfen, kreischen statt Hose anziehen zum Beispiel. „Ich will aba feeeeahnsehn!“ statt sich an den Frühstückstisch setzen. „Ich hab aber jetzt Huuuungerrr! Ich will JETZT was Esseeeeeen! SOFORT!“-Schreien, während der Vater gerade angefangen hat zu kochen. Sich so komisch durchhängen lassen und dabei irre rumlachen, dass es unmöglich ist, das Kind für die Badewanne nackig zu machen. Und natürlich: Die Dinge alleine machen wollen. Verständlich. Sind halt Kinder.

Und wie gehen wir damit um? Wir wollen ja verständnisvoll sein. Versuchen, uns in die Lage des Kindes hineinzuversetzen (siehe oben). Können ja verstehen, dass die nicht immer einfach machen (können), was man gerade von ihnen will. Und dabei merken wir ständig überdeutlich unsere eigenen Grenzen.

Wenn man sich einmal die Mühe macht, sich in die Lage der Eltern hineinzuversetzen, wird schnell klar, dass das für sie ziemlich frustrierend sein muss. Es macht uns wahnsinnig, dass man morgens einfach „nicht vorwärts“ kommt. Wir versuchen im Bad innerlich ganz oft ganz tiiiief ein- und aus zu atmen und beschwören das Kind mit angestrengt ruhiger Stimme, es möge doch bitte zu uns kommen, damit wir es endlich ausziehen können. Wir hören uns viel zu oft drohend sagen: „Denk an deine Geschichte!“, wenn das Kind dem Bitten nicht nachkommt. Wir streichen dann und wann tatsächlich verzweifelt als letzter Anker eine abendliche Geschichte und provozieren damit einen noch viel nervenaufreibenderen Heul-Brüll-Wutanfall, der unseren Kopf fast zum Platzen bringt. Wir möchten eben diesen gern ab und zu einfach ins Essen fallen lassen und meinen, vor Überforderung auf der Stelle tot umfallen zu müssen, wenn nach Stunden endlich die ganze Familie gemeinsam am Essentisch sitzt (man hat nämlich – pädagogisch wertvoll! – gemeinsam gekocht) und das Kind sich plötzlich lautstark weigert, das Gekochte wenigstens zu probieren, stattdessen beständig nach Süßigkeiten verlangt, schließlich mit viel Überredekunst tatsächlich doch einen Mini-Bissen kostet, nur um kurz darauf loszubrüllen, weil das Essen angeblich zu heiß ist (was nicht sein kann, da es dort ja schon seit mittlerweile 30 Minuten vor sich hin kühlt), sich dabei vor Aufregung auf die Zunge beißt und vor Schreck den Becher Apfelsaft umwirft, woraufhin dieser sich über den gesamten Küchenboden verteilt. Wir wünschen uns, man könnte sich einfach wortlos umdrehen und sich wieder ins Bett legen, wenn man morgens gut gelaunt das Kind wecken möchte und der erste Wutanfall einen schon auf der Türschwelle entgegenföhnt (man hat es gewagt, das große Licht auszumachen). Und wir fühlen uns irgendwie schlecht, wenn wir nach dem Abgeben des Kindes vor dem Kindergarten stehen und spüren, wie die Anspannung von uns abfällt, angesichts der Stunden ohne kleinkindliche Dramen, die nun vor uns liegen. „Kannst du nicht einfach mal ein bisschen mitmachen?!?!?“ hören wir uns sagen. Ständig. Und dabei wollen wir das gar nicht.

Manchmal fühlt es sich doch einfach an, als müsste man jetzt auf der Stelle verrückt werden. Oft schwirrt-dröhnt-schmerzt einem der Kopf abends so heftig, dass es nach dem Zu Bett-Bringen nur noch (maximal) für Sofa und Glotze reicht und nicht einmal ansatzweise zur Rettung der Welt. Manchmal will und manchmal kann man einfach nicht mehr diskutieren, verhandeln, das Gebrüll milde lächelnd oder tröstend ertragen… Manchmal erträgt man keinen weiteren Kreischanfall. Manchmal will man Feierabend. Manchmal braucht man ’ne Pause von alldem. Dann ist es gut und wichtig, dass es (Groß-)Eltern gibt, die das Kind einem liebend gern für einen Nachmittag oder ein Wochenende entführen. Dann ist es gut und wichtig, mal alleine für 1-2 Tage wegzufahren, viel Schreibzeug mitzunehmen und auf’s Meer zu glotzen. Dann ist es gut und wichtig, mit dem Freund endlich mal wieder zu einem Konzert zu gehen und viel zu viele Gin Tonics zu trinken.

Haben all die Rosa-Wattewolken-Eltern diese Gefühle eigentlich nicht? Ich lese in so viele Mama-/Eltern-Blogs rein und die „mein Keks-Schnäuzel-Bärchen-Hase-Muppfel-Lieblingsschatz“-Fraktion treffe ich nach wie vor am häufigsten. Kompensieren die das irgendwie besser? Gibt es  Eltern, die wirklich ohne „Drohungen“ auskommen (Wenn du nicht mitmachst, dann hab ich keine Lust dir nachher vorzulesen-mäßig)? Gibt es etwa Eltern, die das immer alles total verstehen und nie nervig-anstrengend finden?? Oder drücken die das nur weg und werden irgendwann krank??? Oder lügen die sich selbst was vor? Und wie machen das Eltern, die ihr Kind (am Ende sogar FREIWILLIG) nicht betreuen lassen? Wie machen das Eltern, deren Kinder nicht bei Oma pennen wollen?  Oder ALLEINERZIEHENDE?? Ich würde durchdrehen! Ehrlich!

Im Übrigen vermisse ich mein Kind IMMER, wenn ich es 1-2 Tage nicht gesehen habe. Mit ein wenig Abstand gelingt es mir nämlich, die Situationen von außen zu betrachten und mir zu verdeutlichen, was da eigentlich passiert und wie man gelassener damit umgehen könnte. Ich schaffe es dann, meine Prioritäten wieder zurechtzurücken und mir klarzumachen, dass es eigentlich viele Stellen im Alltag gibt, an denen man die Dinge nicht schnell „erledigen“ muss und so den Nerv rausnehmen kann. Warum neigt man eigentlich dazu, immer mit dem, dem und dem danach schnellstmöglich fertig werden zu wollen? Die Dinge einfach eins nach dem anderen abzuhandeln bis wieder ein Tag rum ist? Eigentlich ist das bescheuert und das wird mir mit Abstand dann auch meistens bewusst. Mir ist es zum Beispiel mittlerweile ziemlich egal, ob wir zu spät in die Kita kommen. Auch wenn wir dafür nicht selten komisch beäugt werden. Und eigentlich schaffen wir es inzwischen tatsächlich sehr oft, ruhig zu bleiben, auch wenn das Kind gerade mal wieder wegen einer Kleinigkeit ausrastet. Aber immer geht das einfach nicht. Muss es ja wahrscheinlich auch nicht. Das Kind soll ja auch… (Oh Mann… Soll ich das jetzt echt sagen? Na egal…) … es soll ja „Grenzen“ kennenlernen. Auch die der Eltern, schätze ich.

Manchmal tut’s mir aber trotzdem leid, wenn ich dem Kind und seinen ganz normalen (Aus-)Ticks nicht so verständnisvoll begegnen kann, wie ich das gern würde. Denn der Grund ist ja eigentlich nicht, dass das Kind etwas „falsch“ macht, sondern dass ich gerade aus irgendwelchen Gründen nicht die Geduld habe, damit „cool“ umzugehen. Wenn man aneinander gerät, einer 3-Jährigen zu vermitteln, dass sie trotzdem okay ist und man nur doof findet, wie sie sich jetzt gerade verhält, dabei trotzdem zu mir und meinen Grenzen zu stehen und irgendwie mit reinzubringen, dass man einfach selber gerade nicht mehr kann und es eigentlich nicht an ihr liegt, ein anderes Verhalten aber doch für alle irgendwie angemessener wäre, das ist eine echte Herausforderung, finde ich. Und eigentlich auch ein ziemlich sinnloses Unterfangen, denn Kindern in dem Alter brauchst du nicht mit Rationalität kommen… Schon gar nicht, wenn sie gerade am Durchdrehen sind (Stichwort Dominanz der rechten Gehirnhälfte – lesenswerter Artikel dazu hier: http://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/05/autonomiephase-trotzphase-warum-immer.html) Oft bin ich mir nicht sicher, wie ich mit dem ein oder anderen Flipp eigentlich umgehen will. Oder kann. Oder muss. Oder sollte.

Ich liebe meine Tochter. Und ich habe gerade echt viel Spaß mit ihr, weil ich nach den Monaten der Schwangerschaft, in denen ich kaum verfügbar war, endlich wieder da bin und sie das auch sichtlich genießt. Und ich weiß, dass es dazu gehört, dass sie bei Dingen nicht so mitmacht, wie ich das mir wünsche. Liegt der Wunsch nach möglichst reibungslosen Abläufen aber nicht sogar so ein bisschen in der Natur des Menschen? Kann und sollte man dagegen etwas tun? Macht es Sinn, zu versuchen, das nicht mehr als anstrengend zu empfinden? Es geht mir nicht darum, eine (nach Außen) perfekte Mutter sein zu wollen oder so. Mir geht es darum, dass ich mein Kind nicht verletzen, nicht kränken, ihm keinen Schaden durch doofes elterliches Verhalten zufügen will. Wie viel Geduldsfadenreißen ist okay bzw. sogar notwendig? Ich weiß es nicht… Also werde ich vorerst erstmal weiter üben, tiiiiiief ein und auszuatmen und mich selbst nicht zu hart dafür ranzunehmen, wenn das Verhalten meines Kindes mir manchmal einfach zu viel ist und ich dann nicht mehr so damit umgehen kann, wie es vielleicht richtiger wäre. Bis ich eine konkretere Vorstellung davon habe, wie überhaupt ein „richtiger Umgang“ mit sowas meiner Meinung aussieht.

(Erziehungs-)Erfolge!

Und damit meine ich mehr mich selbst als das P.!

Heute war nach einem sehr schlechten Ostermontag und einer eher mäßigen Woche ein echt guter Tag. Gestern haben wir den ganzen Tag bei einer lieben Freundin + 2 weitere Kinder in P.s Alter verbracht. So mag ich das! Ich brauche dringend meine Familien-Kommune. Schon deshalb ging’s mir gestern/heute gut. Heute Vormittag/Mittag habe ich meine Hausarbeit quasi fertig geschrieben, der Feinschliff fehlt noch, aber ich bin nun sicher, dass ich die Frist einhalten kann. Alles positiv also.

Das P. und K. waren unterwegs und ich, als sie wiederkamen, geradezu gestärkt. Hier war alles normal soweit, auch P.s „Kleinkind-Allüren“. Aber ich habe mich anders verhalten. Ich könnte plötzlich relativ gut für mich selbst in „schwarz und weiß“ einteilen… Also welche Wünsche/Gelüste finde ich jetzt okay, zu erfüllen und was will ich einfach nicht. Smarties-Nachschlag obwohl eine kleine Schüssel abgemacht war? Nein. Essen auf dem Sofa? Nein. Angelspiel spielen? Ja. Fernsehen? Ja. Noch mehr fernsehen? Eine Folge. Noch mehr fernsehen? Nein. Immer etwas anderes spielen? Nein, jetzt mal Pause für mich, sie hatte schon beinahe den ganzen Tag Programm.

Und fast jedes Mal gab es ein mittelschweres Drama. Nachdem ich aber auch bei Drama 3 nicht nachgegeben habe, dabei ruhig geblieben bin und ihr zu verstehen gegeben habe, dass ich sehr gut verstehe, was sie will, ich es ihr aber jetzt nicht geben möchte, wurde sie insgesamt ruhiger. Heute haben wir (wie schon gestern) alle ruhig gemeinsam am Tisch gesessen und sie hat dabei sogar Knödel gegessen (!) und sogar fast freiwillig die braune Soße gekostet (!!) und anschließen, weil *huch* es hat geschmeckt, zwei ganze Knödel mit Soße verputzt.

Ich bin ja geradezu berauscht von diesem Erziehungserfolg und fühle mich auch gleich viel besser mit mir, weil ich heute nicht ständig über meine Grenzen gegangen bin und dabei trotzdem ihre respektiert habe. Auch K. war ganz verblüfft und will das nun auch mehr durchsetzten. Ich will einfach kein grenzenloses Kind, was immer einfach mehr will, weil ihm sonst nichts besseres einfällt… Und so ein Kind spiegelt einen ja so ziemlich. An ihrer „grenzenlosen Art“, die sie jetzt schon teilweise an den Tag legt, ist ja nicht sie „Schuld“. Also ist es an uns, das ein bisschen in eine etwas softere Bahn zu lenken.  Und ich denke, wir sind auf einem guten Weg.

Kleinkind-Terror

(oder: sich „richtig“ verhalten gegenüber dem Kind)

Ich verhalte mich meinem Kind gegenüber menschlich. Das ist mir wichtig. Ich halte nicht viel davon, irgendwelche Normen einfach zu übernehmen und mich „elternmäßig“ zu benehmen. Also Dinge irgendwie zu tun, weil ‚man‘ sie halt so macht oder machen muss. Ich versuche mich immer mehr wegzubewegen von dem ‚man‘-Denken. Ich möchte nicht, dass mein Kind zu einer möglichst perfekt angepassten, nichts hinterfragenden Hülle wird. Ich möchte gern, dass mein Kind ein selbstständig denkender, vernunftbegabter, interessierter Mensch wird.

Mein derzeitiges Problem: Es fällt mir schwer, mich in bestimmten Situationen überhaupt irgendwie zu verhalten. Gemeint sind Situationen, in denen sie sich recht wenig menschlich (genau genommen ist es wahrscheinlich sogar sehr menschlich… Also sagen wir lieber sowas wie:) „sozial“ verhält – ja, mir ist klar, dass sie mit 27 Monaten nicht annähernd eine Vorstellung davon hat, was dieses Konstrukt bedeutet und mir ist auch klar, dass sie das faktisch gar nicht können kann. Es geht um  das, was allgemein häufig als ‚Trotz‘ bezeichnet wird. Es geht um Abgrenzung, unterschiedliche Bedürfnisse, Grenzen, um all sowas geht’s. Theoretisch.

Ganz praktisch geht es aber um: „Jetzt komm verdammte scheiße nochmal bitte her!“ oder auch: „Du musst Ich will dir jetzt aaaaaaaaaaaah! ichdrehdurchichwerdwahnsinnig!  bitte deine Jacke anziehen, es ist himmelarschundzwirn kalt draußen!“ und ich bekomme gleich einen Wut- oder Heulanfall, wenn ich daran denke, dass wir bereits vor einer 3/4 Stunde in der Kita sein wollten und noch Schuhe, Handschuhe, Schal und Mütze vor uns liegen! Gerne auch: „Bitte! Lauf! Jetzt! endlich Weiter!“ oder ich raste gleich echt aus. genau JETZT werde ich nämlich gerade wahnsinnig. einszweidreivierfünfsechssiebenachtneunzehndreitausend. aaaatmenaaaaatmenaaaatmen-zähneknirsch-zähneknirsch-zähneknirsch oder: „Kannst du nicht wenigestens ein verpisstes kleines Stück von diesem Essen kosten?“ Ich koche nie wieder für dich! nie! wieder!

Ja, ich habe wahrscheinlich ziemlich hohe Ansprüche an mich. Das bekomme ich jedenfalls immer wieder zu hören. Aber: Es geht mir nicht darum, eine perfekte Maaaamiiii zu sein. Gar nicht! Es geht mir darum, meine eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen und trotzdem auch denen des Kindes gerecht zu werden. Es geht mir darum, nicht (oder so selten wie möglich) in irgendeiner Entwicklungsphase total den Müll zu bauen, unter dem dann sie als großer Mensch, wir als Familie oder, oder, oder zu leiden hat. Es geht mir auch darum, zu berücksichtigen, dass es kein falsch oder richtig gibt. Also keinen DEN Umgang mit einer bestimmten Phase oder Situation. Keine Knöpfe, die man drücken kann, um Kompetenzen/Fähigkeiten wie Denken, Empathie oder Toleranz freizuschalten. Ich will authentisch sein und nicht manipulativ oder sonstwas. Ich will fair sein, meine elterliche Machtposition nicht ausnutzen und meinem Kind keine Traumata einpflanzen.

Nur: Wo fangen die an und wo hören die auf? Ist es schon grenzwertig, wenn ich in einer Phase, in der sie abends nicht in s Bett will, abends das Licht in ihrem Zimmer ausmache, weil ich a) einfach Feierabend haben will und sie b) auch tatsächlich hundemüde ist? Finde ich es eigentlich okay, diese „Na  gut, dann muss ich halt alleine gehen“-Taktik anzuwenden, wenn sie sich standhaft weigert, weiterzulaufen. Ist das nicht schon Manipulation? Darf ich Lockmittel einsetzen, wenn ich keine Lust auf Kampf habe oder ist das verurteilenswerte Bestechung?

Aber ich muss mir gerade echt selbst eingestehen: Einem Kleinkind in der Trotzphase kannst du einfach nicht mit logischem Menschenverstand begegnen. Und ich frage mich ernsthaft: Mit was denn dann? Ich habe dafür wirklich keine Lösung. Als Mutter, meine ich. Ich kann mit Kindern sehr gut umgehen, die nicht meine eigenen sind. Auch mit deren Trotz kann ich gut umgehen, weil der sich – so ist meine Erfahrung – ‚Fremden‘ gegenüber niemals so extrem zeigt wie gegenüber den eigenen Eltern. Ist ja auch gut so! Juul sagt, es sei wichtig, eine „persönliche Sprache“ zu nutzen, wenn man mit seinem Kind zu spricht. Also keine leeren Formulierungen wie „Kannst du eigentlich nie aufräumen?“ oder auch: „Super!“. Er sagt auch: Es ist richtig und wichtig, dem Kind seine Grenzen zu zeigen. Das entspricht ziemlich dem, was ich eingangs erwähnte: Menschlich sein. Aber: Kleinkinder sind Egoisten, Egozentriker und Narzissten in einem! (Und das ist gut und wichtig so, ihre Entwicklung betreffend.) Insofern bringt mich das nur halbwegs weiter.

Während mein Kind freudig und impulsiv ihre Grenzen entdeckt und auslotet, bringt mich das eindeutig an meine. Weil ich schlicht keine Lösung dafür habe. Weil ich immer trotzdem versuche, sie so gut wie möglich nachzuvollziehen. Und das Problem ist: Ich kann es! Ich kann sie meistens sehr gut nachvollziehen! Klar, sie will nicht aus der Kita nach Hause gehen, weil sie dort gerade noch etwas Spannendes macht. Verstehe ich, ändert aber nichts daran, dass ihre Betreuungszeit 16 Uhr zu Ende ist und ich mit ihr nach Hause will, wenn ich sie abhole. Klar, will sie manchmal nicht essen, was ich gekocht habe, weil’s ihr nicht schmeckt oder sie keinen Hunger hat oder sie was anderes essen will. Ändert aber nichts daran, dass ich für sie gekocht habe und es mich ankotzt, wenn sie das dann nicht isst. Klar, sie will manchmal nicht weiterlaufen, weil sie was Spannendes entdeckt hat, müde ist, ihre Füße weh tun oder sie einfach nicht weiterlaufen will. Ich kann ihr Verhalten nachvollziehen und sehe trotzdem meine Grenzen. Ich hab nicht die Geduld! Ich halte es nicht aus, 45 Minuten für 700 Meter Weg von der Haltestelle bis zur Haustür zu brauchen, begleitet von 30 Schreiattacken. Und trotzdem sehe ich es nicht so, dass es ihr Fehler ist. Und das bringt mich erst Recht an meine Grenzen! Könnte ich all das gelassen hinnehmen, wenn ich selbst „einfach“ gelassener wäre?

Was macht das, was ich mit meinem Kind mache, mit meinem Kind??? Welche Auswirkungen hat welche Handlung? Welche Grenzen sind gut und welche sind zu viel? Wann braucht mein Kind Begrenzung, wann nicht? Wann macht es Sinn, meine Sicht oder meinen Willen durchzusetzen und wann nicht? Welche Normen muss ich ihr vermitteln, dammit sie klarkommt?

Das ist, was ich mit Kleinkind-Terror meine: Mehr als das Verhalten (m)eines Kleinkindes, was einfach in der Tat tierisch anstrengend für mich sein kann, ist es mal wieder mein Kopfwust, der mich terrorisieret. All diese Dinge, denen ich gerecht werden will und die ich „richtig – will heißen: begründet und durchdacht – machen will, weil das einfach mein Anspruch ist. Wenn mir da jemand kommt mit „Intuition“, dann kann ich nur sagen: Das ist meine Intention und meine Intuition. Genau so, wie ich durchdenke, was ich kaufe, was ich esse, mit wem ich mich umgebe, was ich gern tue, wie ich die Welt sehe und was ich scheiße finde oder auch, wie die Beziehung zu meinem Partner ist und ob ich da fair bin, wo Probleme sind, durchdenke ich auch das Zusammenleben mit und das Verhalten gegenüber meinem Kind. Das kann (und will) ich auch nicht ausschalten, obwohl es anstrengend ist und trotz der frustrierenden Gewissheit, dass es „die Lösung“ und „das richtige Verhalten“ nicht gibt.

Vielleicht ist es genau das, was Mensch von seinen Kindern lernen kann und sollte: Richtig gibt’s nicht. Du musst deinen Weg allein finden. Und es vor allen Dingen schaffen, zu ihm zu stehen. Amen.

*Jesper Juul (2009): Dein kompetentes Kind. Auf dem Weg zu einer neuen Wertgrundlage für die ganze Familie, rororo
Jesper Juul (2008): Nein aus Liebe. Klare Eltern – starke Kinder, Kösel-Verlag

Grenzen (Ja! Schon wieder!)

Ich bin mir sicher, dass ich mich wiederhole. Aber es drängt. Insofern müsst ihr da jetzt durch.

Ich empfinde nämlich diverse mütterlich-elterliche Zwiespalte bezüglich der Sache mit den Grenzen. Dem irgendwie wenigstens ein bisschen “autoritär” sein. Dem “Jetzt reicht’s aber echt mal”. Dem “Hör auf damit!” einerseits. Und dem Respektieren der Wünsche und Gefühlsregungen meines Kindes. Dem Zeigen, dass sie okay ist, wie sie ist andererseits.

Es ist so: Das P. neigt immer wieder zu recht anstrengenden Phasen bzw. Tagen. An diesen Tagen geht eigentlich gar nichts. Also es macht irgendwie gar nichts wirklich Spaß. Beinahe alles ist mit Anstrengung verbunden. Das liegt daran, dass das P. in diesen Phasen gern mal:

  1. wahnsinnig empfindlich ist, was Kinder angeht. Die dürfen in ihrer Gegenwart – außerhalb des Kindergartens – eigentlich gar nichts tun, außer so weit wie möglich weg von ihr an die Wand gucken vielleicht. Ausnahmsweise.
  2. alles, aber auch wirklich alles mit heulen und brüllen und ningeln und motzen kommentiert. Jedes wollen. Alles, was ihr nicht passt. Eigentlich jede Situation. Tatsächlich. Heulen und Ningeln ohne Unterbrechung bis das Muttertier bekloppt im Kopf wird und genervt reagiert („Hör. Jetzt. Auf. Zu. Schrei. Hen!“). Oder verzweifelt („Bitte! BITTE! Hör auf zu schreien!“). Oder beides („Waaaah!“).

Gründe dafür hab ich weitgehend erörtert. Nach der KiTa, in der sie keinen Mittagsschlaf mehr macht, ist große Nachmittagsaction mit weiteren Kindern einfach zu viel für sie. Insbesondere wegen dem fehlenden Schlaf. Wahrscheinlich wäre nach Hause gehen und dort ruhig spielen besser als andere Situation mit wieder anderen Kindern. Schade, aber wohl wahr und verständlich.

Andererseits spielt sie an anderen, vom Ablauf her ähnlichen Tagen, wieder ganz entspannt mit Kindern und ist weniger fordernd und „zickig“. Es ist dermaßen anstrengend, wenn sie andere Kinder so ankeift, weil sie z.B. nur in ihre Richtung schauen. (Dazu sei an dieser Stelle auch gern noch einmal der Artikel empfohlen, den schon glücklich scheitern und mama007 empfohlen haben: klick!) Das ist quasi nicht-gesellschaftsfähig. Nicht, weil mir das peinlich wäre, sondern weil es keinen Spaß macht. Ihr nicht, mir nicht und den Leuten, mit denen wir uns treffen auch nicht. Allerdings ist das vorher auch nicht abzuschätzen wie sie so drauf ist. Und: Ja klar, mein Kind „darf“ auch Launen haben. Soll sie sogar!

Aber es geht mir dabei vor allem um so prinzipielle Sachen wie zum Beispiel:

  • Wegrennen, zwischen 2 Autos in Richtung Straße, und das lustig finden
  • „Ich will das. Nein, ich will das. Nein, ich will doch das. Oder das. Und das. Gib mir das da! SOFORT!“ beim Essen
  • überhaupt das ständige, ununterbrochene Verlangen und Fordern nach irgendwas in einem unerträglichen Dauerquängel-Ton
  • das bereits erwähnte hauen-anschreien anderer Kinder, obwohl die nicht wirklich etwas anschreienswertes tun
  • Sich in irgendwelche (für uns! für sie nicht!) sinnlosen Situationen schlimm reinsteigern und stundenlang heulen ohne sich zu beruhigen

Wie reagiert man da schlau? Also schlau im Sinne von: Ich respektiere sie, aber zeige ihr auch, dass sie meine Grenzen respektieren und akzeptieren muss. Und ein dauerschreiendes Kleinkind geht mir mit der Zeit deutlich an meine Belastungsgrenze! Ich kann dann einfach irgendwann nicht mehr. Und dann kann ich auch nicht mehr „cool“ reagieren.

Natürlich ist für sie wahrscheinlich jedes dieser Ereignisse irgendwie eine schlimme Sache. Aber ich denke auch, dass sie mittlerweile einfach weiß, dass wir auf Quängelei und Brüllen/Heulen halt in irgendeiner Form reagieren. Aber die Konsequenz, von heute auf morgen gar nicht mehr darauf zu reagieren, ist doch auch nicht richtig oder etwa doch? Aber welche ist es dann?

Ich habe versucht, ihr das zu erklären. Sie versteht ja eigentlich schon wirklich sehr viel. Aber das anscheinend dann doch noch nicht. Ich versuche, ihr zu erklären, dass ich nicht will, dass sie so schreit und dass ich sie so nicht verstehen kann. In allen möglichen Varianten. Aber ich glaube nicht, dass sie weiß, was ich meine. Sie findet das normal, denke ich. Sie hat es halt so gelernt. Ich will was –> ich fordere es ningelnd-schreiend-heulend ein –> ich bekomme es. Ich will etwas nicht –> ich wehre mich ningelnd-schreiend-heulend dagegen –> es erfolgt irgendeine Reaktion. Mama will nicht, dass ich etwas mache –> ich mache es trotzdem und finde das lustig.

Any ideas?

Kleinkindliches Drama – 1. Akt

Bitteschön, dankeschön und auf Wiedersehen! So oder so ähnlich denkt ein Teil von mir, nachdem ich das P. derzeit nach den allmorgendlichen Start-„Schwierigkeiten“ dankbar (!) in der KiTa abgeliefert habe. Ich bin dann fest entschlossen: Heute ist es soweit. Ich hebe alles Geld, was sich auf dem Konto befindet, ab – das sind so etwa 150 Euro – und fahre zum Flughafen. Ich buche ein One-Way-Ticket nach mirwurschtwohin und schlage mich dort als mirwurschtalswas durch. Den Rest werde ich schon nach und nach vergessen. Nur raus hier! Das erträgt doch kein normaler Mensch!

6,5 Minuten später finde ich mich furchtbar und schreibe anstattdessen dieses:

KLEINKINDLICHES DRAMA

Die Protagonisten:

  • Mutter
  • Vater
  • Kind (2 Jahre)

Akt 1.1 – Schlafzimmer

Oktober. Eigentlich golden, hier aber eher verhangen-trübe. Kurz nach Dämmerung. Schlafzimmer. Dumpfes Geblög aus dem Kinderzimmer ist zu hören.

(Kind:) Rabääääääääh! Maaaamaaaaa!!! KOMM! HIER! HER! Rabäääääääää!!!

Elterliches, allmorgendliches Umdrehen und krampfhaft-hoffnungsvolles Kopfkissen über die Ohren ziehen. Ich-will-noch-ein-bisschen-liegen-bleiben-Grunzlaute werden ausgetauscht.

Vater: … hrchmpf chüüüü (tut als würde er noch tief und fest schlafen)

Mutter: Das ist jetzt aber nicht dein Ernst?

Vater: …

Mutter (verärgert): Hallohooo?! Ich hab dich was gefragt, verdammt noch mal!

((Kind: Rääääääääääääääääääääääää! MAMA! PAPA!!! AUSSESLAFEN!))

Vater: (lunzt betont verschlafen unter dem Kopfkissen hervor): Was is’n?

Mutter (resigniert): Na was wohl? Deine Tochter ist WACH!

Vater: Und?

Mutter: Oh Mann, du kotzt mich echt total an!

Mutter ab. Vater zieht sich die Decke über den Kopf und stöhnt.

Vater (nuschelnd): … Jeden … verdammten … Morgen …

Akt 1.2 – Kinderzimmer

Schlafzimmer. Fast vollständige Dunkelheit. Ein kleiner Spalt Licht scheint durch die fast vollständig zugezogenen Verdunkelungsrollos. Das Kind liegt mit dem Kopf am Bettrand und schlägt „Mama“-schreiend die Beine gegen die Gitterstäbe.

Kind: MAMAMAMAMAMAMAMAMAMAMAAAAAAA… Oh! (sieht die Mutter) Hallo! (grinst)

Mutter (gähnend): Hallo, mein Schatz. Hast du gut geschlafen?

Kind (Blick verdunkelt sich): MAMA! AUSSESLAFEEEEEEEEEEEN!

Mutter (in Panik geratend): Alles gut! Wir gehen jetzt ins Bad, ziehen uns…

Kind (Tränen herauspressend): NEEEEEEIN! NIS BAD GEHN! NEEEEEEIN! FRÜSTRÜCKEN!!!

Mutter (versucht Genervtheit zu verbergen): Wir gehen ins Bad und dann gehen wir Frühstücken.

Kind (kreischend): NEEEIN! NEIIIIIN! NEEEEEEEEIN! IS SPIEL NOCH!

Mutter: (-.-)

Das Kind nimmt sich ein Feuerwehrauto und beginnt – scheinbar betont vertieft – zu spielen. Die Mutter setzt sich frustriert auf’s Bett. (Alternativ: Die Mutter läuft ins Schlafzimmer und zieht dem Vater die Bettdecke weg).

Mutter: Wir gehen jetzt ins Bad. Wir müssen dich anziehen. Dann gehen wir frühstücken und in den Kindergarten.

Kind: NEEEEEEIN! MÖSTE NIS! DAHAUSE BLEIBEN!

Mutter: Jetzt gehen wir erstmal ins Bad.

Die Mutter nimmt das strampelnde Kind und trägt es ins Bad. Auf dem Weg geht sie im Schlafzimmer vorbei und hält das schreiende Kind dem Vater neben den schlafenden Kopf.

Akt 1.3 – Badezimmer

Mutter (betont spielerisch): So jetzt ziehen wir mal ganz schnell den Schlafanzug aus und…

Kind (tobsuchtwütend): NEEEIN! MAMA! NEEEEIN! (Die Stimme bricht) nis slafsug.. an.. siehn…!

Das Kind haut der Mutter mehrmals auf die Hände, wenn diese versucht, den Schlafanzug auszuziehen. Mit viel Mühe gelingt es ihr immerhin, das Oberteil auszuziehen.

Kind: Mickimaus ansiehn!

Mutter: Mickmaus ist noch nass, wir müssen etwas anderes anziehen, zum Beispiel das Kleid mit den Sternen.

Kind (herzzereißend weinend): NEIIIIIIN! MAMA!!! MICKIMA-MA-MA – (schluchz) – HUS A-A-N-SIE-HI-N!

Mutter (versucht die Ablenkungstaktik): Ohhhh, was haben wir denn hier? Was ist denn auf dem Buch drauf?

Kind (schlägt der Mutter das Buch aus der Hand): M-I-C-K-I-M-A-U-S  O-B-A-T-E-I-H-Ä-L ANSIEHN!!!

Mutter (harrsch): NEIN! BASTA!

Die Mutter zieht das heulende Kind an.

Akt 1.4 – Schlafzimmer

Der Vater schläft. Auftritt Mutter und Kind. 

Mutter: Ich muss mich jetzt auch anziehen.

Kind: NEEEEIN! NIS ANSIEHN! FRÜSTRÜCKEN! NETZ!

Mutter: Erst ziehe ich mich an und dann können wir frühstücken.

Kind: NEEEEEEEIN!

Mutter: Du kannst auch allein in die Küche gehen, ich komme gleich. (Mutter öffnet den Schrank)

Kind: NEEEEEEIN! SRANK SUUUU-MACHÄN!!! NEEEEINNN! NIS DOCH!

Vater: Hcccchmooopf… Och Manno!

Mutter (zum Vater): Du bleibst jetzt mal ganz ruhig!!

Vater: Zick mich halt nicht so an!

Mutter: Leck mich am Arsch!

Kind: Lek mis an As.

Mutter und Vater (zum Kind): NEIN! Das sagt man nicht!

Kind (lacht): Sat ma nis.

Akt 1.5 – Küche

Kind sitzt im Kinderstuhl am Küchentisch. Die Mutter sieht sich orientierungslos um.

Mutter: So. Jetzt können wir frühstücken. Was möchtest du denn essen?

Kind: Müsi.

Mutter (freudig): Fantastisch! Also Müsli… Wollen wir…

Kind: Nein! Nis Müsi! Noghurt essen!

Mutter: Joghurt? Okay, dann Joghurt. (holt den Joghurt aus dem Kühlschrank)

Kind: Aufmachen!

Mutter: Ja, bin doch schon dabei. (zieht den Deckel ab)

Kind: NEEEEEEIN! NEEEEEEEEIN! NEEEEEEEEEEIN! (bricht in Tränen aus)

Mutter (entgeistert): Was zur….?

Auftritt Vater.

Vater: Was ist denn hier schon wieder los?

Mutter: Ich habe – ehrlich – keine Ahnung.

Kind: NEIN MAMA! NIS NOGURTMÜSI! NIS AUFMACHEN!

(nach einigen Verständigungsproblemen stellt sich heraus, dass das Kind sich daran stört, dass die Mutter den Joghurtdeckel einfach abgemacht hat, anstatt dies das Kind tun zu lassen)

Vater (zum Kind): Möchtest du Müsli essen?

Kind (zum Vater): Ja, bitte Papa. (strahlt)

Mutter: …

Vater holt die grüne Plastikschüssel und will das Müsli in diese füllen.

Kind: NEEEEIN! NEEEEEEIN! NEEEEEIN, PAPA! NIS! IS MACH DAS! BAUE SÜSSEL!

Mutter (zum Vater): Ha-Ha! (grinst gehässig)

Vater (gibt dem Kind die blaue Schüssel, lässt das Kind das Müsli einfüllen): So. Mit Milch?

Kind: Ja, bitte Papa, Mis!

Vater holt die Milch aus dem Kühlschrank und gießt diese auf das Müsli. 

Kind (rastet vollkommen aus, fällt fast vom Stuhl, läuft blau an): NEIN! RABÄÄÄH! NEEEEEEIN! NIS! NEEEEEEEEEEIN!!! RABÄÄÄÄH (Flecken entstehen im Gesicht)

Vater und Mutter: ? ? ?

(nach einigen Verständigungsproblemen stellt sich heraus, dass das Kind sich daran stört, dass der Vater, die Milch einfach so auf das Müsli gekippt hat, anstatt dies das Kind tun zu lassen. Umständliche Umfüllaktionen – von der blauen ohne Milch wieder in die Grüne und zurück – sind wenig erfolgreich. Schließlich möchte das Kind doch Müsli MIT Milch.)

Ungefähre Dauer der Aufführung: 15 – 20 Minuten. Jeden verdammten Morgen.

Motzkoffer Deluxe!

Mein Kind befindet sich seit geraumer Zeit in der „Motzphase“. Das hab ich so nicht bestellt, und ich würde diese Funktion gerne reparieren lassen. Es ist an-stren-gend. Und so schnell, wie P. momentan ausrastet, kann ich einfach weder denken, noch gucken und schon gar nicht adäquat reagieren. Wie soll man denn da bitte noch pädagogisch wertvoll handeln???

Hier einige Ausrast-Auslöser des gestrigen Tages:

1. Frühmorgens, weil ich die Knöpfe von ihrem Body zumachen wollte.

2. Beim Abholen in der KiTa, weil ich das „falsche“ Essen mit hatte (Knusperbrot mit ohne Zucker).

3. Beim Einkaufen:

a) weil sie auf einer viel zu hohen Balustrade laufen wollte
b) weil ich die Tür der öffentlichen Toilette zugemacht habe
c) weil ich den Auto-Einkaufswagen nicht ohne Unterbrechung bewegt habe (um halt etwas EIN-ZU-KAUFEN…)
d) weil sie nicht mehr im Auto-Wagen sitzen wollte
e) weil sie wieder zurück in den Auto-Wagen wollte
f) weil wir den Auto-Wagen abgestellt haben
g) weil wir den Auto-Wagen nicht mitgenommen haben
h) weil sie auf den Arm wollte, ich aber einpacken musste

4. Auf dem Nachhauseweg:

a) weil sie auf den Arm wollte und nicht laufen
b) weil sie laufen wollte und nicht auf den Arm
c) weil sie sich vor Wut auf die Knie hat fallen lassen und das (Überraschung!) weh tat
d) weil sie mit der Bahn (auf der anderen Straßenseite) fahren wollte
d) weil wir dann in eine Bahn eingestiegen sind
e) weil die Türen der Bahn zugegangen sind
f) weil die Türen der Bahn aufgegangen sind (wtf?!)
g) weil ein Kind in der Bahn einen Riegel hatte (und sie nicht)
h) weil sie nicht durch die fahrende Bahn laufen durfte
i) weil wir aus der Bahn ausgestiegen sind
j) weil sie auf den Arm wollte und nicht laufen
k) weil sie laufen wollte und nicht auf den Arm
l) weil sie dann doch auf den Arm wollte (erwähnte ich, dass ich Einkaufstüten zu tragen hatte?)
m) weil eine Frau mit Baby auf dem Arm uns überholt hat
n) weil sie dann, als wir in unsere Haustür sind, das Baby nicht mehr gesehen hat (30 Minuten Wutgeschrei)

5. Zuhause:

a) weil sie die Schuhe anlassen wollte
b) weil sie die Jacke anlassen wollte
c) weil sie die Jacke ausgezogen haben wollte
d) weil sie Kekse wollte
e) weil sie saure Gurken wollte
f) weil sie mit der Kühlschranktür spielen wollte
g) weil sie auf ihrem Hochstuhl rumklettern wollte
h) weil sie Kekse wollte

undsoweiterundsofort

*Haare rauf*