(Nähen): Jersey wellt sich – GELÖST!

Puh… Ich hatte immer ein großes Problem mit einer relativ normalen Nähmaschine und dem Vernähen von Jersey-Stoff – BIS JETZT! Und das kam so:

Ich vernähe eigentlich wirklich hauptsächlich Jersey-Stoffe – bestimmt 98% – um daraus Kinderklamotten zu machen. Ich habe zwei W6-Nähmaschinen: Eine W6-Overlock (mit der ich super-zufrieden bin und deren Anschaffung deeefinitiv eine sehr sehr gute Entscheidung ist, wenn man viele Jersey-Klamotten näht) und eine einfache W6 N 1235/61. Zum Schließen der Innennähte benutze ich logischerweise die Overlock, alles kein Problem. Aaaaber: Zum Absteppen der Säume brauche ich die normale Maschine. Bei der W6 bin ich immer an meine (Verzweiflungs-)Grenzen gestoßen, sobald es um’s Versäubern der Jersey-Kanten ging. Ob beim einfachen Säumen, beim Absteppen von Bündchenware oder bei der (verhassten) Streifenversäuberung (die ich aber leider irgendwie am hübschesten finde): Der Jersey-Stoff wellte sich IMMER (immerimmerimmerimmerimmer) ohne Ende! Arrrrgh!

Das Problem ist meiner Meinung nach: Der Nähfußdruck bei der W6 ist viiiiel zu stark und darüber hinaus nicht verstellbar wie bei anderen Maschinen. Zudem hat sie auch noch einen irren Zug drauf. Langsam nähen erfordert ganz ganz viel Fußspitzengefühl. Man darf das Pedal eigentlich nur anpusten, sobald man nämlich drauf drückt, rattert das Ding los als gäbe es kein Morgen.

Was hab ich mich geärgert und wie oft hab ich mir nichts sehnlicher als eine verdammte Nähmaschine mit verstellbarem Nähfußdruck herbeigesehnt, um dieses nervtötende (im wahrsten Sinne) Problem, durch das ich regelmäßige im allerletzten Schritt meine Kleidungsstücke versaut habe, zu eliminieren. Und gegoogelt hab ich… Nääääächtelang. Was ist die beste Maschine für Jersey? Was kann ich machen, damit sich der Jersey nicht mehr so stark wellt? Was kostet eine Coverlock-Maschine?

Ich habe so ziemlich alle Tricks ausprobiert: Ich hab penibel darauf geachtet, dass der Stoff nicht gezogen wird… Schleifpapier und Kunstleder beim Nähen unters Füßchen gelegt, um den Fußdruck abzumindern… Den Stoff mit Sprühstärke und Wasserdampf behandelt… Versucht, mir andere abenteuerliche Konstruktionen zu bauen, damit der Nähfuß nicht so doll drückt… Fadenspannung auf null eingestellt… Fußkrämpfe durch den Versuch so laaaaaaangsam wie’s nur irgendwie geht zu nähen… Hat alles nichts oder kaum etwas genützt. Der Jersey hat sich trotzdem doof gewellt und die Nähte wollten einfach nicht sauber werden. Die Streifenversäuberung konnte ich so vergessen und damit viele Schnittmuster, zum Beispiel aus der Ottobre. Ich habe dann eigentlich nur noch mit Bündchen (ohne Absteppen) oder Rollsäumen versäumt und versucht, das Nähen mit der normalen Nähmaschine weitgehend zu vermeiden. Ist ja auch irgendwie nicht Sinn und Zweck der Sache.

Dann wollte ich den Regenbogenbody von Schnabelina nähen und habe mir das Video-Tutorial dazu angeschaut. Bei 05:50 erwähnt sie ganz beiläufig, dass sie zum Nähen einen OBERTRANSPORTFUß benutzt, weil der wohl den Stoff besser transportiert. Ganz laut *klingeling* hat’s da bei mir gemacht und ich habe mir direkt einen Obertransportfuß für meine W6, die ich schon fast aufgegeben hatte, geordert. Große Hoffnung hatte ich nicht, weil ich dachte, dass ich den Tipp ja sonst sicher eher irgendwo in den Weiten des Internets gefunden hätte.

ABER: Dann kam das Teil an, ich habe es ausprobiert und ich kann euch sagen: Ich bin t-o-t-a-l BEGEISTERT!

Da wellt sich nichts mehr. Der Obertransportfuß transportiert den Stoff in der Tat super. Alles wird gerade und irgendwie rollt’s einfach… ENDLICH! Ein Vorteil ist außerdem, dass man viel gerader näht.

obertransportfuß-jersey

Also falls ihr Stress mit eurer Nähmaschine habt, weil der Stoff sich beim Nähen von Jersey ständig wellt und dehnt, dann probiert mal einen Obertransportfuß aus. Ich kann es wirklich nur empfehlen.

Edit September 2014:

Ich habe den Obertransportfuß vor etwa einem Jahr an meiner Nähmaschine installiert und ihn seitdem nicht mehr abgemacht. Das Ding rollt, Jersey wellt sich kein Stück mehr und ich bin nach wie vor total zufrieden und habe mich dadurch mit meiner Nähmaschine vertragen.

Neue Maschine

Ich hab ’ne Neue! Ich hab mir mal ganz kurz entschlossen eine Overlock (W6  454D Professional) „kommen lassen“ und ich werde sie behalten. Weil: Die ist ECHT toll.

Auf der W6-Seite findet ihr ein Produktvideo und alle technischen Daten. In dem Maschinchen steckt wohl Janome-Technik und ich habe viele, viele, viele Erfahrungsberichte gelesen – die Overlock kommt dabei fast immer gut weg.

Für mich persönlich kann die nach ein paar Testteilen wirklich alles, was ich von einer Overlock erwarte. Sie ist von den Ausmaßen her relativ klein, die Einfädelung geht nach kurzem Studium der Anleitung ziemlich leicht und die Nähte kann man an den Stoff durch Fadenspannung jedes einzelnen der vier Fäden, Differentialtransport und Stichbreite einstellen. Das Messer kann man aktivieren und deaktivieren und die Nähte sowie Schnitte werden sauber. Und super wichtig: SIE IST ziemlich LEISE!

Vor allem im Gegensatz zu meiner Singer Chich (Model Nr. 4662) – da klackert die Spulenkapsel, die unter der Nähplatte ist, total nervtötend rum. Und die Nähte mit der Singer werden oft kräuselig, ungenau, es werden Stiche ausgelassen, der Faden reist, die Nadel bricht, der Stoff wird reingezogen… Irgendwie nervt die Singer Chic mich. Was tun?

Soll ich meine alte Singer, die 1997 immerhin mal ACHTHUNDERT Mark gekostet hat, warten und/oder reparieren lassen oder kaufe ich mir passenderweise eine neue Nähmaschine? Zum Beispiel eine W6 N 1235 für derzeit 140 Euro?

Ickweeßeteinfachnicht!